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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
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695
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II. Zu der Lehre von den Paralogismen der reinen Vernunft. 605

Allein das weitere Nachforschen hinter den Ursprung dieser At-tribute, die ich Mir, als einem denkenden Wesen überhaupt, beilegekann diesen Fehler aufdecken. Sie sind nichts mehr, als reine Ka-tegorien, wodurch ich niemals einen bestimmten Gegenstand, sondernnur die Einheit der Vorstellungen, um einen Gegenstand derselbenzu bestimmen, denke. Ohne eine zum Grunde liegende Anschauungkann die Kategorie allein mir keinen Begriff von einem Gegenständeverschaffen; denn nur durch Anschauung wird der Gegenstand gegeben,der hernach der Kategorie gemäß gedacht wird. Wenn ich ein Dingfür eine Substanz in der Erscheinung erkläre, so müssen mir vorherPrädicate seiner Anschauung gegeben sein, an denen ich das Be-harrliche vom Wandelbaren und das Substratum (Ding selbst) vondemjenigen, was ihm blos anhängt, unterscheide. Wenn ich einDing einfach in der Erscheinung nenne, so verstehe ich darunter,daß die Anschauung desselben zwar ein Theil der Erscheinung sei,selbst aber nicht gethcilt werden könne u. s. w. Ist aber etwasnur für einfach im Begriffe und nicht in der Erscheinung erkannt,so habe ich dadurch wirklich gar keine Erkenntniß von dem Gegen-stände, sondern nur von meinem Begriffe, den ich mir von Etwasüberhaupt mache, das keiner eigentlichen Anschauung fähig ist. Ichsage nur, daß ich etwas ganz einfach denke, weil ich wirklich nichtsweiter, als blos, daß es Etwas sei, zu sagen weiß.

Nun ist die blose Apperception (Ich) Substanz im Begriffe,einfach im Begriffe re. und so haben alle jene psychologischen Lehr-sätze ihre unstreitige Richtigkeit. Gleichwohl wird dadurch doch das-jenige keineswegs von der Seele erkannt, was man eigentlich wissenwill; denn alle diese Prädicate gelten gar nicht von der Anschauungund können daher auch keine Folgen haben, die auf Gegenständeder Erfahrung angewandt würden, mithin sind sie völlig leer. Dennjener Begriff der Substanz lehrt mich nicht, daß die Seele für sichselbst fortdaure, nicht, daß sie von den äußeren Anschauungen einTheil sei, der selbst nicht mehr getheilt werden könne, und der alsodurch keine Veränderungen der Natur entstehen oder vergehen könne;lauter Eigenschaften, die mir die Seele im Zusammenhänge der Er-