II. Zu der Lehre von den Pacalogismen der reinen Vernunft. «75
welchem wir sie insgesammt als blosc Vorstellungen, und nicht alsDinge an sich selbst ansehen, und dem gemäß Zeit und Raum nursinnliche Formen unserer Anschauung, nicht aber sür sich gegebeneBestimmungen, oder Bedingungen der Objecte, als Dinge an sichselbst sind. Diesem Idealismus ist ein transsccndcntalcr Realismusentgegengesetzt, der Zeit und Raum als etwas an sich (unabhängigvon unserer Sinnlichkeit) Gegebenes ansieht. Der transscendcntaleRealist stellt sich also äußere Erscheinungen, (wenn man ihre Wirk-lichkeit cinräumt,) als Dinge an sich selbst vor, die unabhängigvon uns und unserer Sinnlichkeit cxistircn, also auch nach reinenVerstandesbcgriffen außer uns wären. Dieser transscendcntale Realistist es eigentlich, welcher nachher den empirischen Idealisten spielt,und nachdem er fälschlich von Gegenständen der Sinne vorausge-setzt hat, daß, wenn sie äußere sein sollen, sie an sich selbst auchohne Sinne ihre Existenz haben müßten, in diesem Gesichtspunctealle unsere Vorstellungen der Sinne unzureichend findet, die Wirk-lichkeit derselben gewiß zu machen.
Der transscendcntale Idealist kann hingegen ein empirischerRealist, mithin, wie man ihn nennt, ein Dualist sein, d. i. dieExistenz der Materie einräumcn, ohne aus dem blosen Selbstbe-wußtsein hinauszugehen und etwas mehr, als die Gewißheit derVorstellungen in mir, mithin das voxito, er§o snm, anzunehmen.Denn weil er diese Materie und sogar deren innere Möglichkeit blossür Erscheinung gelten läßt, die, von unserer Sinnlichkeit abgetrennt,nichts ist, so ist sie bei ihm nur eine Art Vorstellungen (Anschauung),welche äußerlich heißen, nicht, als ob sie sich auf an sich selbstäußere Gegenstände bezögen, sondern weil sie Wahrnehmungenauf den Raum beziehen, in welchem Alles außer einander, er selbstder Raum aber in uns ist.
Für diesen transscendentalcn Idealismus haben wir uns schonim Anfänge erklärt. Also fällt bei unserm Lehrbcgrifs alle Bedenk-lichkeit weg, das Dasein der Materie eben so auf das Zeugniß un-seres blosen Sclbstbewußtseins anzunehmcn und dadurch für bewiesenzu erklären, wie das Dasein meiner selbst als eines denkenden Wesins.
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