II. Zu der Lehre von den Paralogismen der reinen Vernunft. 661
Ich, als ein denkend Wesen, bin das absolute Subjcct allermeiner möglichen Urthcile, und diese Vorstellung von Mir selbstkann nicht zum Pradicatc irgend eines anderen Dinges gebraucht werden.
Also bin ich, als denkend Wesen (Seele), Substanz.
Kritik des ersten Paralogismus der reinen Psychologie.
Wir haben in dem analytischen Thcile der transsccndentalenLogik gezeigt, daß reine Kategorien (und unter diesen auch die derSubstanz) an sich selbst gar keine objektive Bedeutung haben, woihnen nicht eine Anschauung nntergclcgt ist, auf deren Mannigfal-tiges sie, als Functionen der synthetischen Einheit angewandt werdenkönnen. Ohne das sind sie lediglich Functionen eines Urtheils ohneInhalt. Von jedem Dinge überhaupt kann ich sagen, cs sei Sub-stanz, sofern ich cs von blosen Prädikaten und Bestimmungen derDinge unterscheide. Nun ist in allem unserem Denken das Ichdas Subjcct, dem Gedanken nur als Bestimmungen inhariren, unddieses Ich kann nicht als die Bestimmung eines anderen Dinges ge-braucht werden. Also muß Jedermann sich selbst nothwendigcrWeise als die Substanz, das Denken aber nur als Accidcnzen seinesDaseins und Bestimmungen seines Zustandes ansehcn.
Was soll ich aber nun von diesem Begriffe einer Substanz süreinen Gebrauch machen? Daß ich, als ein denkend Wesen, für michselbst fortdaure, natürlicher Weise weder entstehe noch vergehe, daskann ich daraus keinesweges schließen, und dazu allein kann mirdoch der Begriff der Substanlialitat meines denkenden Subjcctsnutzen, ohne welches ich ihn gar wohl entbehren könnte.
Es fehlt so viel, daß man diese Eigenschaften aus der blosenreinen Kategorie einer Substanz schließen könnte, daß wir vielmehrdie Beharrlichkeit eines gegebenen Gegenstandes aus der Erfahrungzum Grunde legen müssen, wenn wir auf ihn den empirisch brauch-baren Begriff von einer Substanz anwendcn wollen. Nun habenwir aber bei unserem Satze keine Erfahrung zum Grunde gelegt,sondern lediglich aus dem Begriffe der Beziehung, den alles Denkenauf das Ich, als das gemeinschaftliche Subjcct hat, dem es inhärirt,