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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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619
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Die Architektonik der reinen Vernunft. 619

richtet, indem sie über die Grenzen der Erfahrung hinaus Aussichteneröffnet? nichts mehr, als zwei Glaubensartikel? so viel hatte auchwohl der gemeine Verstand, ohne darüber die Philosophen zu Rathezu ziehen, ausrichten können!

Ich will hier nicht das Verdienst rühmen, das Philosophiedurch die mühsame Bestrebung ihrer Kritik um die menschliche Ver-nunft habe; gesetzt, es sollte auch beim Ausgange blos negativ be-funden werden; denn davon wird in dem folgenden Abschnitte nochetwas Vorkommen. Aber verlangt ihr denn, daß ein Erkenntniß,welches alle Menschen angeht, den gemeinen Verstand übersteigenund euch nur von Philosophen entdeckt werden solle? Eben das,was ihr tadelt, ist die beste Bestätigung von der Richtigkeit derbisherigen Behauptungen, da es das, was man Anfangs nicht vor-hcrsehcn konnte, entdeckt, nämlich daß die Natur in dem, wasMenschen ohne Unterschied angelegen ist, keiner parteiischen Austhei-lung ihrer Gaben zu beschuldigen sei, und die höchste Philosophie inAnsehung der wesentlichen Zwecke der menschlichen Natur es nichtweiter bringen könne, als die Leitung, welche sie auch dem gemeinstenVerstände hat angedeihen lassen.

Der transscendentalm Methodenlehre

drittes Hauptstück.

Die Architektonik der reinen Vernunft.

Ich verstehe unter einer Architektonik die Kunst der Systeme.Weil die systematische Einheit dasjenige ist, was gemeine Erkcnnt-niß allererst zur Wissenschaft, d. i. aus einem blosen Aggregat der-selben ein System macht, so ist Architektonik die Lehre des Scienti-sischen in unserer Erkenntniß überhaupt und sie gehört also noth-wendig zur Methodenlehre.

Unter der Regierung der Vernunft dürfen unsere Erkenntnisseüberhaupt keine Rhapsodie, sondern sie müssen ein System ausmachcn,