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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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Methodcnlehre. Il Hauptst. >11. Abschn.

gewiß, daß ein Gott sei re., sondern: ich bin moralisch gewiß rc.Das heißt: der Glaube an einen Gott und eine andere Welt ist mitmeiner moralischen Gesinnung so verwebt, daß, so wenig ich Ge-fahr laufe, die crstere einzubüßen, eben so wenig besorge ich, daßmir der zweite jemals entrissen werden könne.

Das einzige Bedenkliche, das sich hiebei findet, ist, daß sichdieser Vernunftglaube auf die Voraussetzung moralischer Gesinnungengründet. Gehen wir davon ab und nehmen einen, der in Ansehungsittlicher Gesetze gänzlich gleichgültig wäre, so wird die Frage, welchedie Vernunft aufwirft, blos eine Aufgabe für die Spekulation undkann alsdcnn zwar noch mit starken Gründen aus der Analogie,aber nicht mit solchen, denen sich die hartnäckigste Zwcifelsucht er-geben müßte, unterstützt werden*). Es ist aber kein Mensch beidiesen Fragen frei von allem Interesse. Denn ob er gleich von demmoralischen durch den Mangel guter Gesinnungen getrennt sein möchte,so bleibt doch auch in diesem Falle genug übrig, um zu machen,daß er ein göttliches Dasein und eine Zukunft fürchte. Dennhiezu wird nichts mehr erfordert, als daß er wenigstens keine Ge-wißheit vorschützcn könne, daß kein solches Wesen und kein künftigLeben anzutreffcn sei, wozu, weil cs durch blose Vernunft, mithinapodiktisch bewiesen werden müßte, er die Unmöglichkeit von beidendarzuthun haben würde, welches gewiß kein vernünftiger Menschübernehmen kann. Das würde ein negativer Glaube sein, derzwar nicht Moralität und gute Gesinnungen, aber doch, das Ana-logon derselben bewirken, nämlich den Ausbruch der bösen mächtigzurückhältcn könnte.

Ist das aber Alles, wird man sagen, was reine Vernunft aus-

*) Das menschliche Gemüth nimmt, (so wie.ich glaube, das cs bei jedemvernünftigen Wesen nothwcndig geschieht,) ein natürliches Interesse an derMoralität, ob cs gleich nicht ungethcilt und praktisch überwiegend ist. Befestigtund vergrößert dieses Interesse, und'ihr werdet die Vernunft sehr gelehrigund selbst aufgeklärter finde», um mit dein praktischen auch das spcculatweInteresse zu vereinigen. Sorget ihr aber nicht dafür, daß ihr vorher, wenig-stens auf dem halben Wege, gute Menschen macht, so werdet ihr auch niemalsaus ihnen aufrichtig gläubige Menschen machen!