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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
607
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Von dein Ideal des höchsten Guts. 607

dem Verhalten nach demselben einen unseren höchsten Zwecken genauentsprechenden Ausgang, es sei in diesem oder einem anderen Lebenbestimmt. Ohne also einen Gott und eine für uns jetzt nicht sicht-bare, aber gehoffte Welt sind die herrlichen Ideen der Sittlichkeitzwar Gegenstände des Beifalls und der Bewunderung, aber nichtTriebfedern des Vorsatzes und der Ausübung, weil sie nicht denganzen Zweck, der einem jeden vernünftigen Wesen natürlich .unddurch eben dieselbe reine Vernunft a priori bestimmt und nothwendigist, erfüllen.

Glückseligkeit allein ist für unsere Vernunft bei Weitem nichtdas vollständige Gut. Sie billigt solche nicht, (so sehr als auchNeigung dieselbe wünschen mag,) wofern sie nicht mit der Würdigkeit,glücklich zu sein, d. i. dem sittlichen Wohlverhalten vereinigt ist.Sittlichkeit allein und mit ihr die blose Würdigkeit, glücklich zusein, ist aber auch noch lange nicht das vollständige Gut. Um dieseszu vollenden, muß der, so sich als der Glückseligkeit nicht unwerthverhalten hatte, hoffen können, ihrer thcilhaftig zu werden. Selbstdie von aller Privatabsicht freie Vernunft, wenn sie, ohne dabei eineigenes Interesse in Betracht zu ziehen, sich in die Stelle einesWesens setzte, das alle Glückseligkeit Anderen auszutheilcn hätte,kann nicht anders urtheilen; denn in der praktischen Idee sind beideStücke wesentlich verbunden, obzwar so, daß die moralische Ge-sinnung, als Bedingung, den Antheil an Glückseligkeit, und nichtumgekehrt die Aussicht auf Glückseligkeit die moralische Gesinnungzuerst möglich mache. Denn im letzteren Falle wäre sie nicht moralischund also auch nicht der ganzen Glückseligkeit würdig, die vor derVernunft keine andere Einschränkung erkennt, als die, welche vonunserem eigenen unsittlichen Verhalten herrührt.

Glückseligkeit also, in dem genauen Ebenmaaße mit der Sitt-lichkeit der vernünftigen Wesen, dadurch sie derselben würdig sind,macht allein das höchste Gut einer Welt aus, in die wir uns nachden Vorschriften der reinen, aber praktischen Vernunft durchüus ver-setzen müssen, und welche freilich nur eine intelligible Welt ist, dadie Sinnenwelt uns von der Natur der Dinge dergleichen systematische