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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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606
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606 Mcthodcnlchrc. H. Hauptst. N. Abschn.

Die Sittlichkeit an sich selbst macht ein System aus, aber nichtdie Glückseligkeit, außer so fern sie der Moralität genau angemessenausgetheilt ist. Dieses aber ist nur möglich in der intelligiblen Welt,unter einem weisen Urheber und Regierer. Einen solchen, sammtdem Leben in einer solchen Welt, die wir als eine künftige anschenmüssen, sieht sich die Vernunft gcnöthigt anzunchmen, oder diemoralischen Gesetze als leere Hirngespinste anzusehen, weil der noch-wendige Erfolg derselben, den dieselbe Vernunft mit ihnen verknüpft,ohne jene Voraussetzung wegfallen müßte. Daher auch Jedermanndie moralischen Gesetze als Gebote ansieht, welches six aber nichtsein könnten, wenn sic nicht a priori angemessene Folgen mit ihrerRegel verknüpften und also Verheißungen und Drohungenbei sich führten. Dieses können sie aber auch nicht thun, wo sienicht in einem nothwcndigen Wesen, als dem höchsten Gut, liegen,welches eine solche zweckmäßige Einheit allein möglich machen kann.

Leibnitz nannte die Welt, so fern man darin nur auf dievernünftigen Wesen und ihren Zusammenhang nach moralischen Ge-setzen unter der Regierung des höchsten Guts Acht hat, das Reichder Gnaden, und unterschied es vom Reiche der Natur, dasie zwar unter moralischen Gesetzen stehen, aber keine andere Erfolgeihres Verhaltens erwarten, als nach dem Laufe der Natur unsererSinnenwclt. Sich also im Reiche der Gnaden zu sehen, wo alleGlückseligkeit auf uns wartet, außer so fern wir unseren Antheil anderselben durch die Unwürdigkeit, glücklich zu sein, nicht selbst ein-schränken, ist eine praktisch nothwendige Idee der Vernunft.

Praktische Gesetze, so fern sie zugleich subjective Gründe derHandlungen d. i. subjective Grundsätze werden, heißen Maximen.Die Bcurt Heilung der Sittlichkeit, ihrer Reinigkcit und Folgennach, geschieht nach Ideen, die Befolgung ihrer Gesetze nachMaximen.

'Es ist nothwcndig, daß unser ganzer Lebenswandel sittlichenMaximen untergeordnet werde; es ist aber zugleich unmöglich, daßdieses geschehe, wenn die Vernunft nicht mit dem moralischen Gesetze,welches eine blosc Idee ist, eine wirkende Ursache verknüpft, welche