608 Methodenlehre. II. Hauptsi. II. Abschn.
Einheit der Zwecke nicht verheißt, deren Realität auch auf nichtsAnderes gegründet werden kann, als auf die Voraussetzung eineshöchsten ursprünglichen Guts, da selbstständige Vernunft, mit allerZulänglichkcit einer obersten Ursache ausgerüstet, nach der vollkom-mensten Zweckmäßigkeit die allgemeine, obgleich in der Sinnenweltuns sehr verborgene Ordnung der Dinge gründet, erhält und vollführt.
Diese Moraltheologie hat nun den eigcnthümlichcn Vorzug vorder spekulativen, daß sie unausbleiblich auf den Begriff eines einigen,allervollkommensten und vernünftigen Urwesens führt, wor-auf uns spcculative Theologie nicht einmal aus objektiven Gründenhinweiset, geschweige uns davon überzeugen konnte. Denn wirfinden weder in der transscendentalen, noch natürlichen Theologie,so weit uns auch Vernunft darin führen mag, einigen bedeutendenGrund, nur ein einiges Wesen anzunchmen, welches wir allen Natur-ursachen vorsetzen und von dem wir zugleich diese in allen Stückenabhängend zu machen hinreichende Ursache hätten. Dagegen, wennwir aus dein Gesichtspunkte der sittlichen Einheit, als einem noth-wendigcn Weltgesetze, die Ursache erwägen, die diesem allein denangemessenen Effect, mithin auch für uns verbindende Kraft gebenkann, so muß es ein einiger oberster Wille sein, der alle diese Gesetzein sich befaßt. Denn wie wollten wir unter verschiedenen Willenvollkommene Einheit der Zwecke finden? Dieser Wille muß allge-waltig sein, damit die ganze Natur und deren Beziehung auf Sitt-lichkeit in der Welt ihm unterworfen sei; allwissend, damit er dasInnerste der Gesinnungen und deren moralischen Werth erkenne;allgegenwärtig, damit er unmittelbar allem Bedürfnisse, welches dashöchste Weltbeste erfordert, nahe sei; ewig, damit in keiner Zeit dieseUebereinstimmung der Natur und Freiheit ermangele u. s. w.
Aber diese systematische Einheit der Zwecke in dieser Welt derIntelligenzen, welche, obzwar als blose Natur nur Sinnenwelt, alsein System der Freiheit aber intelligible d. i. moralische Welt(roxnum Kr-tti-re) genannt werden kann, führt unausbleiblich auchauf die zweckmäßige Einheit aller Dinge, die dieses große Ganzeausmachen, nach allgemeinen Naturgesetzen, so wie die crstere nach