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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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602
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0V2 Methodcnlehre. II. Hauptst. II. Abschn.

Die zweite Frage ist blos praktisch. Sie kann als eine solchezwar der reinen Vernunft angehören, ist aber alsdenn doch nichttransscendental, sondern moralisch, mithin kann sie unsere Kritik ansich selbst nicht beschäftigen.

Die dritte Frage, nämlich: wenn ich nun thue, was ich soll,was darf ich alsdenn hoffen? ist praktisch und theoretisch zugleich,so, daß das Praktische nur als ein Leitfaden zu Beantwortung dertheoretischen und, wenn diese hoch geht, spekulativen Frage führt.Denn alles Hoffen geht auf Glückseligkeit und ist in Absicht ausdas Praktische und das Sittcngesetz eben dasselbe, was das Wissenund Naturgesetz in Ansehung der theoretischen Erkcnntniß der Dingeist. Jenes läuft zuletzt auf den Schluß hinaus, daß etwas sei,(was den letzten möglichen Zweck bestimmt,) weil etwas gesche-hen soll; dieses, daß etwas sei, (was als oberste Ursache wirkt,)weil etwas geschieht.

Glückseligkeit ist die Befriedigung aller unserer Neigungen, (so-wohl extensiv«, der Mannigfaltigkeit derselben, als intensive, demGrade, und auch protensive, der Dauer nach.) Das praktischeGesetz aus dem Bewegungsgrunde der Glückseligkeit nenne ichpragmatisch (Klugheitsrcgcl); dasjenige aber, wofern ein solches ist,das zum Bewegungsgrundc nichts Anderes hat, als die Würdig-keit, glücklich zu sein, moralisch (Sittengesetz). Das erstereräth, was zu thun sei, wenn wir der Glückseligkeit wollen theilhaf-tig, das zweite gebietet, wie wir uns verhalten sollen, um nur derGlückseligkeit würdig zu werden. Das erstere gründet sich auf em-pirische Principicn; denn anders, als vermittelst der Erfahrung,kann ich weder wissen, welche Neigungen da sind, die befriedigtwerden wollen, noch welches die Naturursachcn sind, die ihre Be-friedigung bewirken können. Das zweite abstrahirt von Neigungenund Naturmittcln, sie zu befriedigen, und betrachtet nur die Freiheiteines vernünftigen Wesens überhaupt und die nothwendigcn Bedin-gungen, unter denen sie allein mit der Austheilung der Glückseligkeitnach Principicn zusammenstimmt, und kann also wenigstens auf blosenIdeen der reinen Vernunft beruhen und a priori erkannt werden.