Von dom Ideal des höchsten Guts.
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Des Kanons der reinen Vernunft
zweiter Abschnitt.
Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bcstimmungs-grunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft.
Die Vernunft führte uns in ihrem speculativcn Gebrauche durchdas Feld der Erfahrungen und, weil daselbst für sie niemals völligeBefriedigung anzutreffen ist, von da zu spekulativen Ideen, die unsaber am Ende wiederum auf Erfahrung zurückführtcn und also ihreAbsicht auf eine zwar nützliche, aber unserer Erwartung gar nichtgemäße Art erfüllten. Nun bleibt uns noch ein Versuch übrig: obnämlich auch reine Vernunft im praktischen Gebrauche anzutreffensei? ob sie in demselben zu den Ideen führe, welche die höchstenZwecke der reinen Vernunft, die wir eben angeführt haben, erreichen,und diese also aus dem Gesichtspuncte ihres praktischen Interessenicht dasjenige gewähren könne, was sie uns in Ansehung des spe-kulativen ganz und gar abschlägt?
Alles Interesse meiner Vernunft, (das spekulative sowohl, alsdas praktische,) vereinigt sich in folgenden drei Fragen:
1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich thun?
3. Was darf ich hoffen?
Die erste Frage ist blos spekulativ. Wir haben, (wie ich mirschmeichle,) alle mögliche Beantwortungen derselben erschöpft undendlich diejenige gefunden, mit welcher sich die Vernunft zwar be-friedigen muß und, wenn sie nicht aufs Praktische sieht, auch Ursachehat zufrieden zu sein; sind aber von den zwei großen Zwecken, wor-auf diese ganze Bestrebung der reinen Vernunft eigentlich gerichtetwar, eben so weit entfernt geblieben, als ob wir uns aus Gemäch-lichkeit dieser Arbeit gleich Anfangs verweigert hätten. Wenn csalso um Wissen zu thun ist, so ist wenigstens so viel sicher undausgemacht, daß uns dieses in Ansehung jener zwei Aufgaben nie-mals zu Theil werden könne.