Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs der Vernunft. 5!19
heit des Systems zu verletzen, andererseits auch, um, indem manvon seinem neuen Stoffe zu wenig sagt, es an Deutlichkeit oderUebcrzeugung nicht fehlen zu lassen. Ich hoffe beides dadurch zuleisten, daß ich mich so nahe als möglich am Transscendentalcnhalte und das, was etwa hiebei psychologisch d. i. empirisch seinmöchte., gänzlich bei Seite setze.
Und da ist denn zuerst anzumcrken, daß ich mich für jetzt desBegriffs der Freiheit nur im praktischen Verstände bedienen werdeund den in transsccndentalcr Bedeutung, welcher nicht als ein Er-klärungsgrund der Erscheinungen empirisch vorausgesetzt werden kann,sondern selbst ein Problem für die Vernunft ist, hier, als oben ab-gethan, bei Seite setze. Eine Willkür nämlich ist blos thierisch(srbltrium brntum), die nicht anders, als durch sinnliche Antriebed. i. pathologisch bestimmt werden kann. Diejenige aber, welcheunabhängig von sinnlichen Antrieben, mithin durch Bcwegursachen,welche nur von der Vernunft vorgestcllt werden, bestimmt werdenkann, heißt die freie Willkür (»rbitrium liberum), und Alles,was mit dieser, es sei als Grund oder Folge'zusammenhängt, wirdpraktisch genannt. Die praktische Freiheit kann durch Erfahrungbewiesen werden. Denn nicht blos das, was reizt, d. i. die Sinneunmittelbar afficirt, bestimmt die menschliche Willkür, sondern wirhaben ein Vermögen, durch Vorstellungen von dem, was selbst aufentferntere Art nützlich oder schädlich ist, die Eindrücke auf unsersinnliches Bcgehrungsvermögen zu überwinden; diese Ueberlegungenaber von dem, was in Ansehung unseres ganzen Zustandes begeh-rungswerth d. i. gut und nützlich ist, beruhen auf der Vernunft.Diese gibt daher auch Gesetze, welche Imperativen d. i. objectiveGesetze der Freiheit sind, und welche sagen, was geschehensoll, ob es gleich vielleicht nie geschieht, und sich darin von Natur-
Gegenstände unseres Gefühls. Da dieses aber keine Vorstellungskraft derDinge ist, sondern außer der gcsammtc» Erkenntnißkraft liegt, so gehören dieElemente unserer Urtheile, so fern sie sich auf Lust oder Unlust beziehen,mithin der praktischen, nicht in den Inbegriff der Transseendcntalphilosophic,welche lediglich mit reinen Erkenntnissen -» priori zu thnn hat.