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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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598 Methodenlchre. I'- Hauptst. I. Abschn.

Wenn demnach diese drei Cardinaisätze uns zum Wissen garnicht nöthig sind und uns gleichwohl durch unsere Vernunft dringendempfohlen werden, so wird ihre Wichtigkeit wohl eigentlich nur dasPraktische angehen müssen.

Praktisch ist Alles, was durch Freiheit möglich ist. Wenn dieBedingungen der Ausübung unserer freien Willkür aber empirischsind, so kann die Vernunft dabei keinen anderen, als regulativenGebrauch haben und nur die Einheit empirischer Gesetze zu bewirkendienen, wie z. B. in der Lehre der Klugheit die Vereinigung allerZwecke, die uns von unseren Neigungen aufgegeben sind, in deneinigen, die Glückseligkeit, und die Zusammenstimmung derMittel, um dazu zu gelangen, das ganze Geschäft der Vernunftausmacht, die um deswillen keine andere, als pragmatische Ge-setze des freien Verhaltens, zu Erreichung der uns von den Sinnenempfohlenen Zwecke, und also keine reinen Gesetze, völlig u prioribestimmt liefern kann. Dagegen würden reine praktische Gesetze,deren Zweck durch die Vernunft völlig a priori gegeben ist, unddie nicht empirisch bedingt, sondern schlechthin gebieten, Producteder reinen Vernunft sein. Dergleichen aber sind die moralischenGesetze, mithin gehören diese allein zum praktischen Gebrauche derreinen Vernunft und erlauben einen Kanon.

Die ganze Zurüstung also der Vernunft, in der Bearbeitung,die man reine Philosophie nennen kann, ist in der Lhat nur auf diedrei gedachten Probleme gerichtet. Diese selber aber haben wiederumihre entferntere Absicht, nämlich, was zu thun sei, wenn derWille frei, wenn ein Gott und eine künftige Welt ist. Da diesesnun unser Verhalten in Beziehung auf den höchsten Zweck betrifft,so ist die letzte Absicht der weislich uns versorgenden Natur bei derEinrichtung unserer Vernunft eigentlich nur aufs Moralische gestellt.

Es ist aber Behutsamkeit nöthig, um, da wir unser Augen-merk auf einen Gegenstand werfen, der der transsccndentalen Phi-losophie fremd *) ist, nicht in Episoden auszuschwcifcn und die Ein-

*) Alle praktische Begriffe gehen auf Gegenstände des Wohlgefallens,oderMißfallens d. i. der Lust oder Unlust, mithin, wenigstens indircct, auf