Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
597
Einzelbild herunterladen
 

Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs der Vernunft. 2!17

nommcn werden, weil man von allen Entdeckungen, die hierüber zumachen sein möchten, doch keinen Gebrauch machen kann, der ineonoroto d. i. in der Naturforschung seinen Nutzen bewiese. DerWille mag auch frei sein, so kann dieses doch nur die intelligibleUrsache unseres Wollcns angehcn. Denn was die Phänomene derAcußerungen desselben d. i. die Handlungen betrifft, so müssenwir nach einer unverletzlichen Grundmaxime, ohne welche wir keineVernunft im empirischen Gebrauche ausüben können, sie niemalsanders, als alle übrige Erscheinungen der Natur, nämlich nach un-wandelbaren Gesetzen derselben erklären. Es mag zweitens auchdie geistige Natur der Seele (und mit derselben ihre Unsterblichkeit)cingeschen werden können, so können darauf doch, weder in Anse-hung der Erscheinungen dieses Lebens, als einen Erklärungsgrund,noch auf die besondere Beschaffenheit des künftigen Zustandes Rech-nung gemacht werden, weil unser Begriff einer unkörperlichen Naturblos negativ ist und unsere Erkcnntniß nicht im Mindesten erweitert,noch einigen tauglichen Stoff zu Folgerungen darbietct, als etwazu solchen, die nur für Erdichtungen gelten können, die aber von der Phi-losophie nicht gestattet werden. Wenn auch drittens das Dasein einerhöchsten Intelligenz bewiesen wäre, so würden wir uns zwar darausdas Zweckmäßige in der Welteinrichtung und Ordnung im Allge-meinen begreiflich machen, keincswegcs aber befugt sein, irgend einebesondere Anstalt und Ordnung daraus abzuleiten, oder, wo sicnicht wahrgenommcn wird, darauf kühnlich zu schließen, indem cseine nothwendige Regel des speculativen Gebrauchs der Vernunftist, Naturursachcn nicht vorbeizugehcn und das, wovon wir unsdurch Erfahrung belehren können, aufzugeben, um etwas, was wirkennen, von demjenigen abzulciten, was alle unsere Kenntniß gänz-lich übersteigt. Mit einem Worte, diese drei Satze bleiben für diespeculative Vernunft jederzeit transsccndent und haben gar keinenimmanenten d. i. für Gegenstände der Erfahrung zulässigen, mithinfür uns auf einige Art nützlichen Gebrauch, sondern sind an sichbetrachtet ganz müßige und dabei noch äußerst schwere Anstrengungenunserer Vernunft.