Der Kanon der reinen Vernunft.
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Censur über sich zu gestatten, ungleichen daß die Grenzen, die sie ihremspcculativcn Gebrauche zu setzen genöthigt ist, zugleich die vernünftelndenAnmaßungen jedes Gegners einschränken und mithin Alles, was ihrnoch von ihren vorher übertriebenen Forderungen übrig bleiben möchte,gegen alle Angriffe sicher stellen können. Der größte und vielleicht ein-zige Nutzen aller Philosophie der reinen Vernunft ist also wohl nurnegativ; da sie nämlich nicht, als Organon, zur Erweiterung, sondern,als Disciplin, zur Grenzbestimmung dient und, anstatt Wahrheit zuentdecken, nur das stille Verdienst hat, Jrrthümcr zu verhüten.
Indessen muß es doch irgendwo einen Quell von positiven Er-kenntnissen geben, welche ins Gebiet der reinen Vernunft gehörenund die vielleicht nur durch Mißverstand zu Jrrthümern Anlaßgeben, in der That aber das Ziel der Beeiferung der Vernunft aus-machen. Denn welcher Ursache sollte sonst wohl die nicht zu däm-pfende Begierde, durchaus über die Grenze der Erfahrung hinausirgendwo festen Fuß zu fassen, zuzuschreiben sein? Sie ahnt Ge-genstände, die ein großes Interesse für sic bei sich führen. Sie betrittden Weg der blosen Speculation, um sich ihnen zu nähern; aberdiese fliehen vor ihr. Vermuthlich wird auf dem einzigen Wege,der ihr noch übrig ist, nämlich dem des praktischen Gebrauchs,besseres Glück für sie zu hoffen sein.
Ich verstehe unter einem Kanon den Inbegriff der Grundsätze npriori des richtigen Gebrauchs gewisser Erkenntnißvermögen überhaupt.So ist die allgemeine Logik in ihrem analytischen Theile ein Kanonfür Verstand und Vernunft überhaupt, aber nur der Form nach; dennsie abstrahirt von allem Inhalte. So war die transsccndentale Analytikder Kanon des reinen Verstandes; denn der ist allein wahrer synthe-tischer Erkenntnisse L priori fähig. Wo aber kein richtiger Gebraucheiner Erkenntnißkraft möglich ist, da gibt es keinen Kanon. Nun istalle synthetische Erkenntniß der reinen Vernunft in ihrem speku-lativen Gebrauche, nach allen bisher geführten Beweisen, gänzlichunmöglich. Also gibt es gar keinen Kanon des spekulativen Ge-brauchs derselben, (denn dieser ist durch und durch dialektisch,)sondern alle transsccndentale Logik ist in dieser Absicht nichts, als
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