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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
594
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594 Methodcnlchre. H Hauptstück.

Stärke der Gegner ausgemacht wird, und zwar auch nur auf derSeite desjenigen, der sich angreifcnd verhalt. Die Zuschauer, indemsie sehen, daß ein Zeder in seiner Reihe bald Sieger ist, bald unter-liegt, nehmen oftmals daraus Anlaß, das Object des Streits selbstskeptisch zu bezweifeln. Aber sie haben nicht Ursache dazu, und esist genug, ihnen zuzurufcn: non üolnasoribus istis lempus exet.Ein Zeder muß seine Sache vermittelst eines durch transscendentaleDeduktion der Beweisgründe geführten rechtlichen Beweises d. i.direct führen, damit man sehe, was seine Vcrnunftansprüche,fürsich selbst anzuführen haben. Denn fußet sich sein Gegner auf sub-jektive Gründe, so ist er freilich leicht zu widerlegen, aber ohneVortheil für den Dogmatiker, der gemeiniglich eben so den subjek-tiven Ursachen des Urtheils anhangt und gleichergestalt von seinemGegner in die Enge getrieben werden kann. Verfahren aber beideTheile blos direct, so werden sie entweder die Schwierigkeit, jaUnmöglichkeit, den Titel ihrer Behauptungen auszusinden, von selbstbemerken und sich zuletzt nur auf Verjährung berufen können, oderdie Kritik wird den dogmatischen Schein leicht entdecken und diereine Vernunft nöthigen, ihre zu hoch getriebene Anmaßungen imspekulativen Gebrauch aufzugeben und sich innerhalb der Grenzenihres cigenthümlichen Bodens, nämlich praktischer Grundsätze, zu-rückzuziehen.

Der transscendentalen Methodenlehre

zweites Hauptstück.

Der Kanon der reinen Vernunft.

Es ist demüthigend für die menschliche Vernunft, daß sie inihrem reinen Gebrauche nichts ausrichtet und sogar noch einer Di-sciplin bedarf, um ihre Ausschweifungen zu bändigen und die Blend-werke, die ihr daher kommen, zu verhüten. Allein andererseits er-hebt es sie wiederum und gibt ihr ein Zutrauen zu sich selbst, daßsie diese Disciplin selbst ausüben kann und muß, ohne eine andere