Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
592
Einzelbild herunterladen
 

js-

's "'k.

i

i/

5!)3 Mcthodenlehre. I- Hauptst. !>'- Abschn.

kann durch diesen Weg niemals eine Hypothese in dcinonstrirteWahrheit verwandelt werden. Der moäus tollen» der Vcrnunft-schlüsse, die von den Folgen auf die Gründe schließen, beweisetnicht allein ganz strenge, sondern auch überaus leicht. Denn wennauch nur eine einzige falsche Folge aus einem Satze gezogen wer-den kann, so ist dieser Satz falsch. Anstatt nun die ganze Reiheder Gründe in einem ostensivcn Beweise durchzulaufen, die auf dieWahrheit einer Erkcnntniß vermittelst der vollständigen Einsicht inihre Möglichkeit führen kann, darf man nur unter den aus demGegentheil derselben fließenden Folgen eine einzige falsch finden, soist dieses Gegentheil auch falsch, mithin die Erkcnntniß, welche manzu beweisen hatte, wahr.

Die apagogischc Beweisart kann aber nur in denen Wissen-schaften erlaubt sein, wo cs unmöglich ist, das Subjective unsererVorstellungen dem Objektiven, nämlich der Erkcnntniß desjenigen,was am Gegenstände ist, unterzuschieben. Wo dieses Letztereaber herrschend ist, da muß es sich häufig zutragen, daß das Ge-gcntheil eines gewissen Satzes entweder blos den subjektiven Bedin-gungen des Denkens widerspricht, aber nicht dem Gegenstände, oderdaß beide Sätze nur unter einer subjektiven Bedingung, die fälsch-lich für objektiv gehalten, einander widersprechen und, da die Be-dingung falsch ist, alle beide falsch sein können, ohne daß von derFalschheit des einen auf die Wahrheit des anderen geschlossen wer-den kann.

In der Mathematik ist diese Subrcption unmöglich; daherhaben sie daselbst auch ihren eigentlichen Platz. In der Naturwis-senschaft, weil sich daselbst Alles auf empirische Anschauungen gründet,kann jene Erschleichung durch viel verglichene Beobachtungen zwarmehrcnthcils verhütet werden; aber diese Bewcisart ist daselbst dochmehrcnthcils unerheblich. Aber die transscendentalen Versuche derreinen Vernunft werden insgesammt innerhalb dem eigentlichen Me-dium des dialektischen Scheins eingestellt d. i. des Subjektiven,welches sich der Vernunft in ihren Prämissen als objektiv anbietcroder gar aufdringt. Hier nun kann es, was synthetische Satze

l