578 Methodenlehre. I- Hauptst. IN- Abschn.
die Kategorie des reinen Verstandes nicht dazu dient, dergleichenzu erdenken, sondern nur, wo sie in der Erfahrung angctroffenwird, zu verstehen, so können wir nicht einen einzigen Gegenstandnach einer neuen und empirisch nicht anzugebenden Beschaffenheit,diesen Kategorien gemäß, ursprünglich aussinncn und sie einer er-laubten Hypothese zum Grunde legen; denn dieses hieße der Ver-nunft leere Hirngespinste, statt der Begriffe von Sachen unterlegen.So ist es nicht erlaubt, sich irgend neue ursprüngliche Kräfte zuerdenken, z. B. einen Verstand, der vermögend sei, seinen Gegen-stand ohne Sinne anzuschauen, oder eine Anziehungskraft ohne alleBerührung, oder eine neue Art Substanzen, z. B. die ohne Un-durchdringlichkeit im Raume gegenwärtig wäre, folglich auch keineGemeinschaft der Substanzen, die von aller derjenigen unterschiedenist, welche Erfahrung an die Hand gibt, keine Gegenwart anders,als im Raume, keine Dauer, als blos in der Zeit. Mit einemWorte, es ist unserer Vernunft nur möglich, die Bedingungenmöglicher Erfahrung als Bedingungen der Möglichkeit der Sachenzu brauchen; keinesweges aber, ganz unabhängig von diesen, sichselbst welche gleichsam zu schaffen, weil dergleichen Begriffe, obzwarohne Widerspruch, dennoch auch ohne Gegenstand sein würden.
Die Vernunftbegriffc sind, wie gesagt, blose Ideen und haben frei-lich keinen Gegenstand in irgend einer Erfahrung, aber bezeichnen darumdoch nicht gedichtete und zugleich dabei für möglich angenommene Ge-genstände. Sie sind blos problematisch gedacht, um in Beziehung aufsie, (als heuristische Fiktionen,) regulative Principicn des systemati-schen Bcrstandesgebrauchs im Felde der Erfahrung zu gründen.Geht man davon ab, so sind es blose Gedankendinge, deren Mög-lichkeit nicht erweislich ist, und die daher auch nicht in der Erklä-rung wirklicher Erscheinungen durch eine Hypothese zum Grunde ge-legt werden können. Die Seele sich als einfach denken, ist ganzwohl erlaubt, um nach dieser Idee eine vollständige und nothwen-dige Einheit aller Gemüthskräfte, ob man sie gleich nicht in con-creto einsehen kann, zum Princip unserer Bcurtheilung ihrer innerenErscheinungen zu legen. Aber die Seele als einfache Substanz