Die Disciplin der reinen Vernunft im polcm. Gebrauche, öliit
den Widerstand eines Feindes wenigstens nur stutzig gemacht werde,um in ihre Anmaßungen einigen Zweifel zu setzen und der KritikGehör zu geben. Allein es bei diesen Zweifeln gänzlich bewendenzu lassen und es darauf auszusctzcn, die Uebcrzeugung und das Gc-ständniß seiner Unwissenheit nicht blos als ein Heilmittel wider den >dogmatischen Eigendünkel, sondern zugleich als die Art, den Streitder Vernunft mit sich selbst zu beendigen, empfehlen zu wollen, istein ganz vergeblicher Anschlag und kann kcinesweges dazu tauglichsein, der Vernunft einen Ruhestand zu verschaffen, sondern ist höch-stens nur ein Mittel, sie aus ihrem süßen dogmatischen Traume zuerwecken, um ihren Zustand in sorgfältigere Prüfung zu ziehen.Da indessen diese skeptische Manier, sich aus einem verdrießlichenHandel der Vernunft zu ziehen, gleichsam der kurze Weg zu seinscheint, zu einer beharrlichen philosophischen Ruhe zu gelangen,wenigstens die Hecresstraße, welche diejenigen gern einschlagen, diesich in einer spöttischen Verachtung aller Nachforschungen dieser Artein philosophisches Ansehen zu geben meinen, so finde ich cs nöthig,diese Denkungsart in ihrem cigcnthümlichen Lichte darzustcllcn.
Von der Unmöglichkeit einer skeptischen Befriedigungder mit sich selbst veruneinigten reinen Vernunft.
Das Bewußtsein meiner Unwissenheit, (wenn diese nicht zu-gleich als nothwendig erkannt wird,) statt daß sie meine Untersu-chungen endigen sollte, ist vielmehr die eigentliche Ursache, sie zuerwecken. Alle Unwissenheit ist entweder die der Sachen, oder derBestimmung und Grenzen meiner Erkcnntniß. Wenn die Unwis-senheit nun zufällig ist, so muß sie mich antreibcn, im ersten Falleden Sachen (Gegenständen) dogmatisch, im zweiten den Gren-zen meiner möglichen Erkcnntniß kritisch nachzuforschen. Daßaber meine Unwissenheit schlechthin nothwendig sei und mich dahervon aller weiteren Nachforschung freispreche, läßt sich nicht empi-risch, aus Beobachtung, sondern allein kritisch, durch Ergrün-dung der ersten Quellen unserer Erkcnntniß ausmachcn. Also kann