Die Disciplin der reinen Vernunft im polcm. Gebrauche. 561
tröstliche und nützliche Ucbcrrcdung, daß ihre Vcrnunftcinsicht zurBehauptung und zum bestimmten Begriff eines höchsten Wesenszulange, zu untergraben? so würde er antworten: nichts, als dieAbsicht, die Vernunft in ihrem Selbsterkenntniß weiter zu bringen,und zugleich ein gewisser Unwille über den Zwang, den man derVernunft anthun will, indem man mit ihr groß thut und sie zu-gleich hindert, ein freimüthiges Geständnis; ihrer Schwachen abzu-lcgcn, die ihr bei der Prüfung ihrer selbst offenbar werden. Fragtihr dagegen den, den Grundsätzen des empirischen Vcrnunftge-brauchs allein ergebenen und aller transsccndcnten Spekulation ab-geneigten Priestley, was er für Bcwegungsgründe gehabt habe,unserer Seele Freiheit und Unsterblichkeit, (die Hoffnung des künf-tigen Lebens ist bei ihm nur die Erwartung eines Wunders derWiedererweckung,) zwei solche Grundpfeiler aller Religion nicdcr-zureißcn, er, der selbst ein frommer und eifriger Lehrer der Religionist; so würde er nichts Anderes antworten können, als: das Interesseder Vernunft, welche dadurch verliert, daß man gewisse Gegenständeden Gesetzen der materiellen Natur, den einzigen, die wir genaukennen und bestimmen können, entziehen will. Es würde unbilligscheinen, den Letzteren, der seine paradoxe Behauptung mit der Rc-ligionsabsicht zu vereinigen weiß, zu verschreien und einem wohl-denkenden Manne wehe zu thun, weil er sich nicht zurcchte findenkann, so bald er sich aus dem Felde der Naturlehre verloren hatte.Aber diese Gunst muß dem nicht minder gutgesinnten und seinemsittlichen Charakter nach untadelhaftcn Hume eben sowohl zu Stattenkommen, der seine abgezogene Stpeculation darum nicht verlassen kann,weil er mit Recht dafür hält, daß ihr Gegenstand ganz außerhalbden Grenzen der Naturwissenschaft im Felde reiner Ideen liege.
Was ist nun hiebei zu thun, vornehmlich in Ansehung derGefahr, die daraus dem gemeinen Besten zu drohen scheint? Nichtsist natürlicher, nichts billiger, als die Entschließung, die ihr deshalbzu nehmen habt. Laßt diese Leute nur machen; wenn sic Talent,wenn sie tiefe und neue Nachforschung, mit einem Worte, wenn sienur Vernunft zeigen, so gewinnt jederzeit die Vernunft. Wenn ihrKant s. W. II. ' 36