Die Disciplin der reinen Vernunft iin dogm. Gebrauche. 555
Begriffe ist ein M athc m a. Analytische Urthcile lehren uns eigent-lich nichts mehr vom Gegenstände, als was der Begriff, den wirvon ihm haben, schon in sich enthält, weil sie die Erkcnntniß überden Begriff des Subjccts nicht erweitern, sondern diesen nur crläu-rern. Sie können daher nicht füglich Dogmen heißen, (welchesWort man vielleicht durch Lehrsp räche übersetzen könnte.) Aberunter den gedachten zweien Arten synthetischer Satze u priorikönnen, nach dem gewöhnlichen Rcdegebrauch, nur die zum philo-sophischen Erkenntnisse gehörigen diesen Namen führen, und manwürde schwerlich dic Sätze der Rechenkunst oder Geometrie Dogmatanennen. Also bestätigt dieser Gebrauch die Erklärung, dic wirgaben, daß nur Urthcile aus Begriffen, und nicht die aus der Con-struction der Begriffe dogmatisch heißen können.
Nun cnhält die ganze reine Vernunft in ihrem blos spekulativenGebrauche nicht ein einziges direct synthetisches Urthcil aus Begriffen.Denn durch Ideen ist sie, wie wir gezeigt haben, gar keiner synthe-tischen Urthcile, die objeclive Gültigkeit hätten, fähig; durch Ver-standesbegriffe aber errichtet sie zwar sichere Grundsätze, aber garnicht direct aus Begriffen, sondern immer nur indircct durch Be-ziehung dieser Begriffe auf etwas ganz Zufälliges, nämlich mög-liche Erfahrung; da sie denn, wenn diese, (etwas, als Gegenstandmöglicher Erfahrungen) vorausgesetzt wird, allerdings apodiktischgewiß sein, an sich selbst aber (direct) » priori gar nicht einmalerkannt werden können. So kann Niemand den Satz: Alles, wasgeschieht, hat seine Ursache, aus diesem gegebenen Begriff alleingründlich cinsehen. Daher ist er kein Dogma, ob er gleich in einemanderen Gesichtspunkte, nämlich dem einzigen Felde seines möglichenGebrauchs d. i. der Erfahrung, ganz wohl und apodiktisch bewiesenwerden kann. Er heißt aber Grundsatz und nicht Lehrsatz, ober gleich bewiesen werden muß, darum, weil er die besondere Eigen-schaft hat, daß er seinen Beweisgrund, nämlich Erfahrung, selbstzuerst möglich macht und bei dieser immer vorausgesetzt werden muß.
Gibt cs nun im spekulativen Gebrauche der reinen Vernunftauch dem Inhalte nach gar keine Dogmata, so ist alle dogma-