Die Disciplin der reinen Vernunft im dogm. Gebrauche. 553
Discursive Grundsätze sind also ganz-etwas Anderes, als intuitived. i. Axiomen. Jene erfordern jederzeit noch eine Dcduetion, derendie letzteren ganz und gar entbehren können, und da diese eben umdesselben Grundes willen evident sind, welches die philosophischenGrundsätze bei aller ihrer Gewißheit doch niemals vorgeben können,so fehlt unendlich viel daran, daß irgend ein synthetischer Satz derreinen und transscendcntalen Vernunft so augenscheinlich sei, (wie mansich trotzig auszudrücken Pflegt,) als der Satz: daß zweimal zwei viergeben. Ich habe zwar in der Analytik, bei der Tafel der Grundsätze desreinen Verstandes, auch gewisser Axiomen der Anschauung gedacht; al-lein der daselbst angeführte Grundsatz war selbst kein Axiom, sonderndiente nur dazu, das Principium der Möglichkeit der Axiomen über-haupt anzugcben, und war selbst nur ein Grundsatz aus Begriffen.Denn sogar die Möglichkeit der Mathematik muß in der Transsccn-dcntalphilosophie gezeigt werden. Die Philosophie hat also keineAxiomen und darf niemals ihre Grundsätze » priori so schlechthingebieten, sondern muß sich dazu bequemen, ihre Befugniß wegenderselben durch gründliche Dcduetion zu rechtfertigen.
3. Von den Demonstrationen. Nur ein apodiktischer Be-weis, so fern er intuitiv ist, kann Demonstration heißen. Erfahrunglehrt uns wohl, was da sei, aber nicht, daß es gar nicht anderssein könne. Daher können empirische Beweisgründe keinen apodik-tischen Beweis verschaffen. Aus Begriffen » priori ,(im discur-sivcn Erkenntnisse) kann aber niemals anschauende Gewißheit d. i.Evidenz entspringen, so sehr auch sonst das Urthcil apodiktisch gewißsein mag. Nur die Mathematik enthält also Demonstrationen, weilsie nicht aus Begriffen, sondern der Construction derselben d. i. derAnschauung, die den Begriffen entsprechend »priori gegeben werdenkann, ihr Erkenntniß ablcitet. Selbst das Verfahren der Algebramit ihren Gleichungen, aus denen sie durch Reduktion die Wahrheitzusammt dem Beweise hervvrbringt, ist zwar keine geometrische,aber doch charakteristische Construction, in welcher man an den Zei-chen die Begriffe, vornehmlich von dem Verhältnisse der Größenin der Anschauung darlegt, und, ohne einmal auf das Hcuristsiche