Die Disciplin der reinen Vernunft im dogm. Gebrauche. 543
Gegenstand nach den Bedingungen entweder der empirischen An-schauung, oder der reinen Anschauung bestimme. Das Elftere würdenur einen empirischen Satz (durch Messen seiner Winkel), der keineAllgemeinheit, noch weniger Nothwendigkeit enthielte, abgebcn, undvon dergleichen ist gar nicht die Rede. Das zweite Verfahren aberist die mathematische und zwar hier die geometrische Construction,vermittelst deren ich in einer reinen Anschauung, eben so wie inder empirischen, das Mannigfaltige, was zu dem Schema einesTriangels überhaupt, mithin zu seinem Begriffe gehört, hinzusetze, wo-durch allerdings allgemeine synthetische Sätze construirt werden müssen.
Ich würde also umsonst über den Triangel philosophiren d. i.discursiv Nachdenken, ohne dadurch im Mindesten weiter zu kommen,als auf die blose Definition, von der ich aber billig anfangen müßte.Es gibt zwar eine transscendentale Synthesis aus lauter Begriffen,die wiederum allein dem Philosophen gelingt, die aber niemals mehr,als ein Ding überhaupt betrifft, unter welchen Bedingungen dessenWahrnehmung zur möglichen Erfahrung gehören könne. Aber in denmathematischen Aufgaben ist hievon und überhaupt von der Existenzgar nicht die Frage, sondern von den Eigenschaften der Gegenständean sich selbst, lediglich so fern diese mit dem Begriffe derselben ver-bunden sind.
Wir haben in dem angeführten Beispiele nur deutlich zu machengesucht, welcher große Unterschied zwischen dem 'discursiven Ver-nunftgebrauch nach Begriffen und dem intuitiven durch die Con-struction der Begriffe anzutreffen sei. Nun fragt's sich natürlicherWeise, was die Ursache sei, die einen solchen zwiefachen Vernunft-gcbrauch nothwendig macht? und an welchen Bedingungen manerkennen könne, ob nur der erste, oder auch der zweite Statt finde?
Alle unsere Erkenntnis; bezieht sich doch zuletzt auf möglicheAnschauungen; denn durch diese allein wird ein Gegenstand gegeben.Nun enthält ein Begriff priori (ein nicht empirischer Begriff)entweder schon eine reine Anschauung in sich, und alsdcnn kann erconstruirt werden; oder nichts, als die Synthesis möglicher Anschau-ungen, die -r priori nicht gegeben sind, und alsdcnn kann man