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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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539
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Die Disciplin der reinen Vernunft im dogm. Gebrauche. 539

Des ersten Hauptstück 6erster Abschnitt.

Die Dissciplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauche.

Die Mathematik gibt das glänzendste Beispiel einer, sich ohneBeihülfe der Erfahrung, von selbst glücklich erweiternden reinen Ver-nunft. Beispiele sind ansteckend, vornehmlich für dasselbe Vermögen,welches sich natürlicher Weise schmeichelt, eben dasselbe Glück inanderen Fallen zu haben, welches ihm in einem Falle zu Thcilworden. Daher hofft reine Vernunft im transscendentalen Gebrauchesich eben so glücklich und gründlich erweitern zu können, als esihr im mathematischen gelungen ist, wenn sie vornehmlich dieselbeMethode dort anwendet, die hier von so augenscheinlichem Nutzengewesen ist. Es liegt uns also viel daran, zu wissen, ob die Me-thode, zur apodiktischen Gewißheit zu gelangen, die man in derletzteren Wissenschaft mathematisch nennt, mit derjenigen einerleisei, womit man eben dieselbe Gewißheit in der Philosophie suchtund die daselbst dogmatisch genannt werden müßte.

Die philosophische Erkenntniß ist die Vernunfterkennt-niß aus Begriffen, die mathematische aus der Constructionder Begriffe. Einen Begriff aber construiren heißt: die ihm corre-spondirende Anschauung » priori darstellen. Zur Construction einesBegriffs wird also nicht-empirische Anschauung erfordert, die folg-lich, als Anschauung, ein einzelnes Object ist, aber nichtsdesto-weniger, als die Construction eines Begriffs (einer allgemeinen Vor-stellung), Allgemeingültigkcit für alle mögliche Anschauungen, dieunter denselben Begriff gehören, in der Vorstellung ausdrückcn muß.So construire ich einen Triangel, indem ich den diesem Begriffeentsprechenden Gegenstand, entweder durch blose Einbildung, in derreinen, oder nach derselben auch auf dem Papier, in der empirischenAnschauung, beidemal aber völlig a priori, ohne das Muster dazuaus irgend einer Erfahrung geborgt zu haben, darstelle. Die einzelnehingczcichncte Figur ist empirisch und dient gleichwohl, den Begriff