53V Elemcntarlehre. ll. Th. U Abth. ll. Buch. 3. Hauptst.
Ordnung berechtigt sein können. Denn das regulative Gesetz dersystematischen Einheit will, daß wir die Natur so studircn sollen,als ob allenthalben ins Unendliche systematische und zweckmäßigeEinheit bei der größtmöglichen Mannigfaltigkeit angctroffen würde.Denn wiewohl wir nur wenig von dieser Weltvollkommenhcit aus-spähen oder erreichen werden, so gehört es doch zur Gesetzgebungunserer Vernunft, sie allerwärts zu suchen und zu vermuthen, und esmuß uns jederzeit vortheilhaft sein, niemals aber kann es nachtheiligwerden, nach diesem Princip die Naturbetrachtung anzustellen. Esist aber unter dieser Vorstellung der zum Grunde gelegten Ideeeines höchsten Urhebers auch klar, daß ich nicht das Dasein unddie Kenntniß eines solchen Wesens, sondern nur die Idee desselbenzum Grunde lege, und also eigentlich nichts von diesem Wesen, son-dern blos von der Idee desselben, d. i. von der Natur der Dingeder Welt nach einer solchen Idee ableite. Auch scheint ein gewis-ses, obzwar unentwickeltes Bewußtsein des ächten Gebrauchs die-ses unseres Vernunftbegriffs die bescheidene und billige Sprache derPhilosophen veranlaßt zu haben, da sie von der Weisheit und Vor-sorge der Natur und der göttlichen Weisheit als gleichbedeutendenAusdrücken reden, ja den erstercn Ausdruck, so lange es um blosspeculative Vernunft zu thun ist, verziehen, weil er die Anmaßungeiner größeren Behauptung, als die ist, wozu wir befugt sind, zu-rück hält und zugleich die Vernunft auf ihr eigcnthümlichcs Feld,die Natur, zurück weiset.
So enthält die reine Vernunft, die uns Anfangs nichts Ge-ringeres, als Erweiterung der Kenntnisse über alle Grenzen derErfahrung zu versprechen schien, wenn wir sie recht verstehen, nichts,als regulative Principien, die zwar größere Einheit gebieten, alsder empirische Verstandcsgcbrauch erreichen kann, aber eben dadurch,daß sie das Ziel der Annäherung desselben so weit hinaus rücken,die Zusammenstimmung desselben mit sich selbst durch systematischeEinheit zum höchsten Grade bringen, wenn man sie aber mißver-steht und sie für constitutive Principien transscendenter Erkenntnissehält, durch einen zwar glänzenden, aber trüglichcn Schein Ueber-