Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
531
Einzelbild herunterladen
 

7- Abschn. Kritik aller spekulativen Theologie. Anhang. 531

rcdung und eingebildetes Wissen, hiemit aber ewige Widersprüche undStreitigkeiten hervorbringcn.

w

So fangt denn alle menschliche Erkcnntniß mit Anschauungenan, geht von da zu Begriffen und endigt mit Ideen. Ob sie zwarin Ansehung aller dreien Elemente Erkenntnißqucllcn » priori hat,die beim ersten Anblicke die Grenzen aller Erfahrung zu verschmähen> scheinen, so überzeugt doch eine vollendete Kritik, daß alle Vernunftim spekulativen Gebrauche mit diesen Elementen niemals über dasFeld möglicher Erfahrung hinaus kommen könne, und daß die eigent-liche Bestimmung dieses obersten Erkenntnißvermögens sei, sich allerMethoden und der Grundsätze derselben nur zu bedienen, um derNatur nach allen möglichen Principien der Einheit, worunter dieder Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehcn,niemals aber ihre Grenze zu überfliegen, außerhalb welcher für unsnichts, als leerer Raum ist. Zwar hat uns die kritische Untersuchungaller Sätze, welche unsere Erkcnntniß über die wirkliche Erfahrunghinaus erweitern können, in der transscendentalen Analytik hinreichendüberzeugt, daß sie niemals zu etwas mehr, als einer möglichen Er-fahrung leiten können; und wenn man nicht selbst gegen die klärstenabstrakten und allgemeinen Lehrsätze mißtrauisch wäre, wenn nichtreizende und scheinbare Aussichten uns lockten, den Zwang derersteren abzuwerfcn, so hätten wir allerdings der mühsamen Abhörungaller dialektischen Zeugen, die eine transscendente Vernunft zum Behufihrer Anmaßungen auftreten läßt, überhoben sein können; denn wirwußten es schon zum Voraus mit völliger Gewißheit, daß allesVorgeben derselben zwar vielleicht ehrlich gemeint, aber schlechterdingsnichtig sein müsse, weil es eine Kundschaft betraf, die kern Menschjemals bekommen kann. Allein weil doch des Redens kein Endewird, wenn man nicht hinter die wahre Ursache des Scheins kommt,wodurch selbst der Vernünftigste hintergangcn werden kann, und dieAuflösung aller unserer transscendenten Erkcnntniß in ihre Elemente^ (als ein Studium unserer inneren Natur) an sich selbst keinen

34 *