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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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529
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7. Abschn. Kritik aller speculativen Theologie. Anhang. 529

muß, ob Jemand sage: die göttliche Weisheit hat Alles so zuseinen obersten Zwecken geordnet, oder: die Idee der höchsten Weis-heit ist ein Regulativ in der Nachforschung der Natur und einPrineip der systematischen und zweckmäßigen Einheit derselben nachallgemeinen Naturgesetzen, auch selbst da, wo wir jene nicht ge-wahr werden; d. i. es muß euch da, wo ihr sie wahrnchmt, völligeinerlei sein, zu sagen: Gott hat cs weislich so gewollt, oder: diedie Natur hat es also weislich geordnet. Denn die größte systema-tische und zweckmäßige Einheit, welche eure Vernunft aller Natur-forschung als regulatives Prineip zum Grunde zu legen verlangte,war eben das, was euch berechtigte, die Idee einer höchsten Intel-ligenz als ein Schema des regulativen Princips zum Grunde zulegen, und, so viel ihr nun nach demselben Zweckmäßigkeit in derWelt antrefft, so viel habt ihr Bestätigung der Rcchtmäßigkeit eurerIdee; da aber gedachtes Prineip nichts Anderes zur Absicht hatte,als nothwcndigc und größtmögliche Natureinheit zu suchen, so wer-den wir diese zwar, so weit als wir sic erreichen, der Idee eineshöchsten Wesens zu danken haben, können aber die allgemeinen Ge-setze der Natur, als in Absicht auf welche die Idee nur zum Grundegelegt wurde, ohne mit uns selbst in Widerspruch zu gerathen,nicht vorbei gehen, um diese Zweckmäßigkeit der Natur als zu-fällig und hyperphysisch ihrem Ursprünge nach anzusehen, weil virnicht berechtigt waren, ein Wesen über die Natur von den ge-dachten Eigenschaften anzunehmen, sondern nur die Idee desselbenzum Grunde zu legen, um nach der Analogie einer Causalbestim-mung die Erscheinungen als systematisch unter einander verknüpftanzuschcn.

Eben daher sind wir auch berechtigt, die Wcltursache in derIdee nicht allein nach einem subtileren Anthropomorphismus, (ohnewelchen sich gar nichts von ihm denken lassen würde,) nämlich alsein Wesen, das Verstand, Wohlgefallen und Mißfallen, imgleicheneine demselben gemäße Begierde und Willen hat re., zu denken, son-dern demselben unendliche Vollkommenheit beizulegen, die also die-jenige weit übersteigt, dazu wir durch empirische Kenntniß der Welt-Kcuit s. W. II. 34