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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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521
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7. Abschn. Kritik aller spekulativen Theologie. Anhang. 521

Anordnung in der Welt so anzusehen, als ob sie aus der Absichteiner allerhöchsten Vernunft entsprossen wäre. Ein solches Principeröffnet nämlich unserer auf das Feld der Erfahrungen angewandtenVernunft ganz neue Aussichten, nach teleologischen Gesetzen die Dingeder Welt zu verknüpfen und dadurch zu der größten systematischenEinheit derselben zu gelangen. Die Voraussetzung einer obersten In-telligenz, als der alleinigen Ursache des Weltganzen, aber freilichblos in der Idee, kann also jederzeit der Vernunft nutzen und dabeidoch niemals schaden. Denn wenn wir in Ansehung der Figur derErde (der runden, doch etwas abgeplatteten *), der Gebirge undMeere rc. lauter weise Absichten eines Urhebers zum Voraus annch-men, so können wir auf diesem Wege eine Menge von Entdeckungenmachen. Bleiben wir nun bei dieser Voraussetzung als einem blosregulativen Princip, so kann selbst der Irrthum uns nicht schaden.Denn es kann allenfalls daraus nichts weiter folgen, als daß, wowir einen teleologischen Zusammenhang (nexus llnnlis) erwarteten,ein blos mechanischer oder physischer (nexus eHevtivug) angctroffenwerde, wodurch wir, in einem solchen Falle, nur eine Einheit mehrvermissen, aber nicht die Vernunfteinheit in ihrem empirischen Ge-brauche verderben. Aber sogar dieser Querstrich kann das Gesetzselbst in allgemeiner und teleologischer Absicht überhaupt nicht treffen.Denn obzwar ein Zergliederer eines Irrthums überführt werden kann,wenn er irgend ein Gliedmaaß eines thierischen Körpers auf einenZweck bezieht, von welchem man deutlich zeigen kann, daß er darausnicht erfolge, so ist es doch gänzlich unmöglich, in einem Falle zu

*) Der Vortheil, den eine kugclichtc Erdgcstalt schafft, ist bekannt genug;aber Wenige wissen, daß ihre Abplattung, als eines Spharoids, cs alleinhindert, daß nicht die Hcrvorragungcn des festen Landes oder auch kleinerer,vielleicht durch Erdbeben aufgeworfener Berge die Achse der Erde continuirlichund in nicht eben langer Zeit ansehnlich verrücken, wäre nicht die Aufschwcllungder Erde unter der Linie ein so gewaltiger Berg, den der Schwung jedesanderen Berges niemals merklich aus seiner Lage in Ansehung der Achsebringen kann. Und doch erklärt man diese weise Anstalt ohne Bedenken ausdem Gleichgewicht der ehmals flüssigen Erdmaffc.