520 Elementarlehre. II. Th. II- Abth. II. Buch. 3- Hauptst.
vor uns hätten, wo die Bedingungen nicht mehr in der Reiheder Erscheinungen, sondern außer derselben gesetzt werden können,und die Reihe der Zustände angesehen werden kann, als ob sieschlechthin (durch eine intelligible Ursache) angesangen würde; wel-ches Alles beweiset, daß die kosmologischen Ideen nichts, als regu-lative Principien und weit davon entfernt sind, gleichsam constitutiveine wirkliche Totalität solcher Reihen zu setzen. Das klebrigekann man an seinem Orte unter der Antinomie der reinen Ver-nunft suchen.
Die dritte Idee der reinen Vernunft, welche eine blvs relativeSupposition eines Wesens enthält, als der einigen und allgenugsamcnUrsache aller kosmologischen Reihen, ist der Vernunflbegriff vonGott. Den Gegenstand dieser Idee haben wir nicht den mindestenGrund schlechthin anzunehmen (an sich zu supponircn); denn waskann uns wohl dazu vermögen oder auch nur berechtigen, ein Wesenvon der höchsten Vollkommenheit, und als seiner Natur nach schlechthinnothwcndig, aus dessen bloscm Begriffe an sich selbst zu glaubenoder zu behaupten, wäre es nicht die Welt, in Beziehung auf welchedie Supposition allein nothwendig sein kann; und da zeigt es sichklar, daß die Idee derselben, so wie alle speculative Ideen, nichtsweiter sagen wolle, als daß die Vernunft gebiete, alle Verknüpfungder Welt nach Principien einer systematischen Einheit zu betrachten,mithin als ob sic insgesammt aus einem einzigen allbcfassendenWesen, als oberster und allgenugsamer Ursache entsprungen wären.Hieraus ist klar, daß die Vernunft hiebei nichts, als ihre eigeneformale Regel in Erweiterung ihres empirischen Gebrauchs zur Ab-sicht haben könne, niemals aber eine Erweiterung über alle Gren-zen des empirischen Gebrauchs, folglich unter dieser Ideekein constitutives Princip ihres auf mögliche Erfahrung gerichtetenGebrauchs verborgen liege.
Die höchste formale Einheit, welche allein auf Vernunflbe-griffcn beruht, ist die zweckmäßige Einheit der Dinge, und dasspeculative Interesse der Vernunft macht es nothwendig, alle