7. Abschn. Kritik aller speculativen Theologie. — Anhang. 515
selbstständige Vernunft, was durch Ideen der größten Harmonieund Einheit Ursache vom Wcltganzen ist, denken können, so daßich alle, die Idee einschränkende Bedingungen weglasse, lediglich umunter dem Schutze eines solchen Urgrundes systematische Einheit desMannigfaltigen im Weltganzen und, vermittelst derselben, den größt-möglichen empirischen Vernunftgebrauch möglich zu machen, indemich alle Verbindungen so ansche, als ob sie Anordnungen einerhöchsten Vernunft wären, von der die unsrigc ein schwaches Nachbildist. Ich denke mir alsdcnn dieses höchste Wesen durch lauter Be-griffe, die eigentlich nur in der Sinncnwclt ihre Anwendung haben;da ich aber auch jene transsccndentale Voraussetzung zu keinemanderen, als relativen Gebrauch habe, nämlich daß sie das Sub-siratum der größtmöglichen Erfahrungseinheit abgcben solle, so darfich ein Wesen, das ich von der Welt unterscheide, ganz wohl durch,Eigenschaften denken, die lediglich zur Sinnenwelt gehören. Dennich verlange keineswegcs und bin auch nicht befugt cs zu verlangen,diesen Gegenstand meiner Idee nach dem, was er an sich sein mag,zu erkennen; denn dazu habe ich keine Begriffe; und selbst die Be-griffe von Realität, Substanz, Causalität, ja sogar der Nothwcn-digkcit im Dasein verlieren alle Bedeutung und sind leere Mel zuBegriffen, ohne allen Inhalt, wenn ich mich außer dem Felde derSinne damit hinauswage. Ich denke mir nur die Relation einesmir an sich ganz unbekannten Wesens zur größten systematischenEinheit des Weltganzen, lediglich um es zum Schema des regulativenPrincips des größtmöglichen empirischen Gebrauchs meiner Vernunftzu machen.
Werfen wir unseren Blick nun auf den transscendcntalcn Ge-genstand unserer Idee, so sehen wir, daß wir seine Wirklichkeit nachden Begriffen von Realität, Substanz, Causalität re. an sich selbstnicht voraussetzen können, weil diese Begriffe auf etwas, das vonder Sinncnwclt ganz unterschieden ist, nicht die mindeste Anwendunghaben. Also ist die Supposition der Vernunft von einem höchstenWesen, als oberster Ursache, blos relativ, zum Behuf der systema-
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