7. Abschn. Kritik aller spekulativen Theologie. — Anhang. 51.1
Verstände deistisch, d. i. die Vernunft gibt nicht einmal die ob-jektive Gültigkeit eines solchen Begriffs, sondern nur die Idee vonEtwas an die Hand, worauf alle empirische Realität ihre höchsteund nothwendige Einheit gründet und welches wir uns nicht anders,als nach der Analogie einer wirklichen Substanz, welche nach Ver-nunftgesetzen die Ursache aller Dinge sei, denken können; wofernwir es ja unternehmen, es überall als einen besonderen Gegenstandzu denken, und nicht lieber, mit der bloscn Idee des regulativenPrincips der Vernunft zufrieden, die Vollendung aller Bedingungendes Denkens, als überschwenglich für den menschlichen Verstand beiSeite setzen wollen; welches aber mit der Absicht einer vollkommenensystematischen Einheit in unserem Erkenntm'ß, der wenigstens dieVernunft keine Schranken setzt, nicht zusammen bestehen kann.
Daher geschieht's nun, daß, wenn ich ein göttliches Wesenannchme, ich zwar weder von der inneren Möglichkeit seiner höchstenVollkommenheit, noch derNothwcndigkeit seines Daseins den mindestenBegriff habe, aber alsdenn doch allen anderen Fragen, die das Zu-fällige betreffen, ein Genüge thun kann und der Vernunft die voll-kommenste Befriedigung in Ansehung der nachzuforschenden größtenEinheit in ihrem empirischen Gebrauche, aber nicht in Ansehungdieser Voraussetzung selbst, verschaffen kann; welches beweiset, daßihr spekulatives Interesse und nicht ihre Einsicht sie berechtige, voneinem Puncte, der so weit über ihre Sphäre liegt, auszugehen, umdaraus ihre Gegenstände in einem vollständigen Ganzen zu betrachten.
Hier zeigt sich nun ein Unterschied der Denkungsart, bei einerund derselben Voraussetzung, der ziemlich subtil, aber gleichwohl inder Transscendentalphilosophie von großer Wichtigkeit ist. Ich kanngenügsamen Grund haben, etwas relativ anzunehmen (suxpositiorelative), ohne doch befugt zu sein, es schlechthin anzunehmen (siip-positiv sdsolut-r). Diese Unterscheidung trifft zu, wenn es blosum ein regulatives Princip zu thun ist, wovon wir zwar die Noth-wendigkeit an sich selbst, aber nicht den Quell derselben erkennen,und dazu wir einen obersten Grund blos in der Absicht annehmen,Kant s. W. U 33