Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
309
Einzelbild herunterladen
 

Von den Paralogismen der reinen Vernunft.

3VS

Mimst seinen Grund haben und eine unvermeidliche, obzwar nichtMflösliche Illusion bei sich führen.

Jetzt kommen wir auf einen Begriff, der oben, in der allge-meinen Liste der transscendentalen Begriffe, nicht verzeichnet wordenund dennoch dazu gezahlt werden muß, ohne doch darum jene Tafel, Mindesten zu verändern und für mangelhaft zu erklären. Diesesjsl der Begriff, oder wenn man lieber will, das Urtheil: Ichdenke. Man sieht aber leicht, daß er das Vehikel aller Begriffeüberhaupt, und mithin auch der transscendentalen sei, und alsounter diesen jederzeit mit begriffen werde, und daher eben sowohliransscmdental sei, aber keinen besonderen Titel haben könne, weiler nur dazu dient, alles Denken, als zum Bewußtsein gehörig, auf-siHhrm. Indessen so rein er auch vom Empirischen (dem Eindrückeda Sinne) ist, so dient er doch dazu, zweierlei Gegenstände ausda Natur unserer Vorstellungskraft zu unterscheiden. Ich, alslinkend, bin ein Gegenstand des inneren Sinnes und heiße Seele.Dasjenige, was ein Gegenstand äußerer Sinne ist, heißt Körper.Demnach bedeutet der Ausdruck: Ich als ein denkend Wesen, schonden Gegenstand der Psychologie, welche die rationale Seclenlehre! heißen kann, wenn ich von der Seele nichts weiter zu wissen ver-lange, als was unabhängig von aller Erfahrung, (welche mich näherl in eonoreto bestimmt,) aus diesem Begriffe Ich, so fern ersbei allem Denken vorkommt, geschlossen werden kann.

Die rationale Seelenlehre ist nun wirklich ein Unterfangenvon dieser Art; denn wenn das mindeste Empirische meines Denkens,irgend eine besondere Wahrnehmung meines inneren Zustandes nochunter die Erkenntnißgründe dieser Wissenschaft gemischt würde, sowäre sic nicht mehr rationale, sondern empirische Seelenlehre. Wirhaben also schon eine angebliche Wissenschaft vor uns, welche aufdem einzigen Satze: Ich denke, erbaut worden, und deren Grundoder Ungrund wir hier ganz schicklich, und der Natur einer Trans-zendental-Philosophie gemäß untersuchen können. Man darf sichdaran nicht stoßen, daß ich doch an diesem Satze, der die Wahr-nchmung seiner selbst ausdrückt, eine innere Erfahrung habe und