118 Elementarlehre. H. Th. I. Abth. 1. Buch. 2 . Hauptst.
Der transzendentalen Analytik
zweites Hauptstück.
Von der Deduktion der reinen Vcrstandeöbegriffc.
Erster Abschnitt.
§- 13.
Von den Principien einer traiissccndentalen Deduction überhaupt.
Die Rechtslehrer, wenn sie von Befugnissen und Amiiaßm-gen reden, unterscheiden in einem Ncchtshandel die Frage über das,was Rechtens ist (quick guris), von der, die die Thatsache angelst(quick Isoti), und indem sie von beiden Beweis fordern, so urnnensie den crsteren, der die Befugniß oder auch den Rechtsanspruch dar-thun soll, die Deduktion. Wir bedienen uns einer Menge empi-rischer Begriffe ohne Jemandes Widerrede und halten uns auch ohneDeduktion berechtigt, ihnen einen Sinn und eingebildete Bedeutungzuzueignen, weil wir jederzeit die Erfahrung bei der Handhaben,ihre objektive Realität zu beweisen. Es gibt indessen auch usmpirteBegriffe, wie etwa Glück, Schicksal, die zwar mit fast allge-meiner Nachsicht herumlaufen, aber doch bisweilen durch die Frage:quick guris? in Anspruch genommen werden, da man alsdenn we-gen der Deduction derselben in nicht geringe Verlegenheit geräth,indem man keinen deutlichen Rechtsgrund weder aus der Erfahrung,noch der Vernunft anführen kann, dadurch die Befugniß seinesGebrauchs deutlich würde.
Unter den mancherlei Begriffen aber, die das sehr vermischteGewebe der menschlichen Erkenntniß ausmachen, gibt es einige, dieauch zum reinen Gebrauch » xriori (völlig unabhängig von aller Er-fahrung) bestimmt sind, und dieser ihre Befugniß bedarf jederzeit ei-ner Deduction; weil zu der Rechtmäßigkeit eines solchen GebrauchsBeweise aus der Erfahrung nicht hinreichend sind, man aber dochwissen muß, wie diese Begriffe sich auf Objecte beziehen können,