Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

10S

2. Abschn. Von der log. Function in Urtheilen.

Erkenntnissen hat, schätze, so ist es allerdings von gemeingültigenUrtheilen (jullieia communio) unterschieden und verdient in ei-ner vollständigen Tafel der Momente des Denkens überhaupt (ob-zE fteilich nicht in der blos auf den Gebrauch der Urtheileunter einander eingeschränkten Logik) eine besondere Stelle.

2. Eben so müssen in einer transscendentalen Logik unend-liche Urtheile von bejahenden noch unterschieden werden,

- mim sie gleich in der allgemeinen Logik jenen mit Recht beigezählt! sind und kein besonderes Glied der Eintheilung ausmachen. Diese^ nämlich abstrahirt von allem Inhalt des Prädicats (ob es gleich

- verneinend ist) und sieht nur darauf, ob dasselbe dem Subject! beigelegt oder ihm entgegengesetzt werde. Jene aber betrachtet das' Urtheil auch nach dem Werthe oder Inhalt dieser logischen Bejahung

vermittelst eines blos verneinenden Prädicats, und was diese inl Ansehung des gesammten Erkenntnisses für einen Gewinn verschafft,e Hätte ich von der Seele gesagt: sie ist nicht sterblich, so hätte ich^ durch ein verneinendes Urtheil wenigstens einen Jrrthum abgehalten.Nun habe ich durch den Satz: die Seele ist nicht sterblich, zwarder logischen Form nach wirklich bejahet, indem ich die Seele inden unbeschränkten Umfang der nichtsterbenden Wesen setze. Weilnun von dem ganzen Umfange möglicher Wesen das Sterblicheeinen Theil enthält, das Nichtsterbende aber den anderen, so istdurch meinen Satz nichts Anderes gesagt, als daß die Seele einesvon der unendlichen Menge Dinge sei, die übrig bleiben, wennich das Sterbliche insgesammt wegnehme. Dadurch aber wird nurdie unendliche Sphäre alles Möglichen in so weit beschränkt, daßdas Sterbliche davon abgetrennt und in dem übrigen Umfang ihresRaums die Seele gesetzt wird. Dieser Raum bleibt aber bei dieserAusnahme noch immer unendlich, und könnten noch mehrere Theiledesselben weggenommen werden, ohne daß darum der Begriff vonder Seele im mindesten wächst und bejahend bestimmt wird. Dieseunendliche Urtheile also in Ansehung des logischen Umfangs sindwirklich blos beschränkend in Ansehung des Inhalts der Erkenntnißüberhaupt, und in so fern müssen sie in der transscendentalen