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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
95
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Einleitung.

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Denn was diesen widerspricht, ist falsch, weil der Verstand dabeiseinen allgemeinen Regeln des Denkens, mithin sich selbst widerstrei-tet. Diese Kriterien aber betreffen nur die Form der Wahrheitd. j. des Denkens überhaupt und sind so fern ganz richtig, abernicht hinreichend. Denn obgleich eine Erkcnntniß der logischen Form' völlig gemäß sein möchte d. i. sich selbst nicht widerspräche, so kannt sie doch noch immer dem Gegenstände widersprechen. Also ist das»blos logische Kriterium der Wahrheit, nämlich die Uebereinstimmungeiner Erkenntlich mit den allgemeinen und formalen Gesetzen desVerstandes und der Vernunft zwar die conäitio «ine gun non,l mithin die negative -Bedingung aller Wahrheit; weiter aber kanndie Logik nicht gehen, und den Irrthum, der nicht die Form,sondern den Inhalt trifft, kann die Logik durch keinen Probir-- stein entdecken.

Die allgemeine Logik löset nun das ganze formale Geschäfte! des Verstandes und der Vernunft in seine Elemente auf und stelltsie als Principien aller logischen Bcurtheilung unserer Erkcnntnißdar. Dieser Theil der Logik kann daher Analytik heißen und isteben darum der wenigstens negative Probirstein der Wahrheit, in-dem man zuvörderst alle Erkcnntniß, ihrer Form nach, an diesens Regeln prüfen und schätzen muß, ehe man sie selbst ihrem Inhaltnach untersucht, um auszumachcn, ob sie in Ansehung des Gegen-standes positive Wahrheit enthalten. Weil aber die blose Form desErkenntnisses, so sehr sie auch mit logischen Gesetzen übcrcinstimmcnmag, noch lange nicht hinreicht, materielle (objcctive) Wahrheit derErkenntnisse darum auszumachen, so kann sich Niemand blos mitder Logik wagen, über"-Gegenstände zu urtheilen und irgend etwaszu behaupten, ohne von ihnen vorher gegründete Erkundigung au-ßer der Logik eingezogen zu haben, um hernach blos die Benutzungund die Verknüpfung derselben in einem zusammenhängenden Gan-zen nach logischen Gesetzen zu versuchen, noch besser aber, sie le-diglich danach zu prüfen. Gleichwohl liegt so etwas Verleitendesin dem Besitze einer so scheinbaren Kunst, allen unseren Erkenntnis-len die Form des Verstandes zu geben, ob man gleich in Ansehung