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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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94
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84 Elementarlehre. II. Th. Transsc- Logik.

heit, das sie nämlich die Ucbercinstimmung der Erkcnntniß mit ihren,Gegenstände sei, wird hier geschenkt und vorausgesetzt; man verlangtaber zu wissen, welches das allgemeine und sichere Kriterium der'Wahrheit einer jeden Erkcnntniß sei.

Es ist schon ein großer und nöthiger Beweis der Klugheit undEinsicht, zu wissen, was man vernünftiger Weise fragen solle. Dennwenn die Frage an sich ungereimt ist und unnöthige Antworten ver-langt, so hat sie, außer der Beschämung dessen, der sie aufmrft,bisweilen noch den Nachtheil, den unbchutsamen Anhörer derselbenzu ungereimten Antworten zu verleiten und den belachenswertbenAnblick zu geben, daß Einer (wie die Alten sagten) den Bock melkt,der Andere ein Sieb unterhält. ,

Wenn Wahrheit in der Ucbereinstimmung einer Erkenntnis mitihrem Gegenstände besteht, so muß dadurch dieser Gegenstand vonanderen unterschieden werden; denn eine Erkcnntniß ist falsch, mmsie mit dem Gegenstand, worauf sie bezogen wird, nicht überein-stimmt, ob sie gleich etwas enthält, was wohl von anderen Gegen-ständen gelten konnte. Nun würde ein allgemeines Kriterium derWahrheit dasjenige sein, welches von allen Erkenntnissen ohne Unter-schied ihrer Gegenstände gültig wäre. Es ist aber klar, daß, da mimbei demselben von allem Inhalt der Erkcnntniß (Beziehung auf ihrObject) abstrahirt und Wahrheit gerade diesen Inhalt angeht, esganz unmöglich und ungereimt sei, nach einem Merkmale der Wahr-heit dieses Inhalts der Erkenntnisse zu fragen, und daß also einhinreichendes und doch zugleich allgemeines Kennzeichen der Wahr-heit unmöglich angegeben werden könne. Da wir oben schon denInhalt einer Erkcnntniß die Materie derselben genannt haben, sowird man sagen müssen: von der Wahrheit der Erkenntnis derMaterie nach läßt sich kein allgemeines Kennzeichen verlangen, weilcs in sich selbst widersprechend ist.

Was aber das Erkcnntniß der bloscn Form nach (mit Beisei-tesetzung alles Inhalts) betrifft, so ist eben so klar, daß eine Logik,so fern sie die allgemeinen und nothwendigen Regeln des Verstandesvorträgt, eben in diesen Regeln Kriterien der Wahrheit darlegen müsse.