50
Einleitung.
L priori gänzlich unmöglich sei, und nach seinen Schlüssen würdeAlles, was wir Metaphysik nennen, auf einen blosen Wahn von ver-meinter Vcrnunftcinsicht dessen hinauslaufcn, was in der Lhat bl°zaus der Erfahrung erborgt und durch Gewohnheit den Schein derNothwcndigkcit überkommen hat; auf welche, alle reine Philosophiezerstörende Behauptung er niemals gefallen wäre, wenn er unsere ^Aufgabe in ihrer Allgemeinheit vor Augen gehabt hätte, da er dem,cingcsehen haben würde, daß, nach seinem Argumente, es auch keinereine Mathematik geben könnte, weil diese gewiß synthetische Sätze'
L priori enthält, vor welcher Behauptung ihn alsdcnn sein guterVerstand wohl würde bewahrt haben.
In der Auflösung obiger Aufgabe ist zugleich die Möglichkeitdes reinen Vcrnunftgebrauchs in Gründung und Ausführung aller-Wissenschaften, die eine theoretische Erkenntniß a priori von Gegen- !ständen enthalten, mit begriffen, d. i. die Beantwortung der Fragen:
Wie ist reine Mathematik möglich?
Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?
Von diesen Wissenschaften, da sie wirklich gegeben sind, läßt sich nunwohl geziemend fragen: wie sie möglich sind? denn daß sie möglichsein müssen, wird durch ihre Wirklichkeit bewiesen*). Was aberMetaphysik betrifft, so muß ihr bisheriger schlechter Fortgang,und weil man von keiner einzigen bisher vvrgctragencn, was ihmwesentlichen Zweck angeht, sagen kann, sie sei wirklich vorhanden,einen Jeden mit Grunde an ihrer Möglichkeit zweifeln lassen.
Nun ist aber diese Art von Erkenntniß in gewissem Sinnedoch auch als gegeben anzuschcn, und Metaphysik ist, wenn gleichnicht als Wissenschaft, doch als Naturanlage (motapii^ica. natura- !
*) Von der reinen Naturwissenschaft könnte man dieses Letztere »och be-zweifeln.» Allein man darf nur die verschiedenen Satze, die im Anfänge dereigentlichen empirischen Physik Vorkommen, Nachsehen, als den von der Beharr-lichkeit derselben Quantität Materie, von der Trägheit, der Gleichheit derWirkung und Gegenwirkung u. s. w., so wird man bald überzeugt werde»,daß sie eine pllzsiccuil pur,iin (oder I»li»nk>le,n) auömachen, die es wohl ver-dient, als eigene Wissenschaft, in ihrem engen oder weiten, aber doch ganze»Umfange, abgesondert ausgestellt zu werden.