Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

in Zergliederung der Begriffe, die wir schon von Gegenständhaben. Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die, obsie gleich nichts weiter als Aufklärungen oder Erläuterungen des-jenigen sind, was in unseren Begriffen (wiewohl noch auf ver-worrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der FW,nach neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie derMaterie oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nichterweitern, sondern nur auseinander setzen. Da dieses Verfahrennun eine wirkliche Erkenntnis; a priori gibt, die einen sicheren undnützlichen Fortgang hat, so erschleicht die Vernunft, ohne cs selbstzu merken, unter dieser Vorspiegelung Behauptungen von ganzanderer Art, wo sie zu gegebenen Begriffen ganz fremde, und zum» priori hinzu thut, ohne daß man weiß, wie sie dazu gelange,und ohne sich eine solche Frage auch nur in die Gedanken kommenzu lassen. Ich will daher gleich anfangs von dem Unterschiededieser zwiefachen Erkenntnißart handeln.

IV

Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer llrthcile.

Zn allen Urtheilen, worinnen das Verhältnis; eines Subjektszum Prädicat gedacht wird, (wenn ich nur die bejahenden erwäge,denn auf die verneinenden ist nachher die Anwendung leicht,) istdieses Verhältniß auf zweierlei Art möglich. Entweder das Prä-dicat L gehört zum Subject^ als etwas, was in diesem Begriffes(versteckter Weise) enthalten ist; oder L liegt ganz außer dem Be-griff L,, ob es zwar mit demselben in Verknüpfung steht. Z»rersten Fall nenne ich das Urtheil analytisch, in dem anderensynthetisch. Analytische Urthcile (die bejahenden) sind als»diejenigen, in welchen die Verknüpfung des Prädicats mit dmSubject durch Identität, diejenigen aber, in denen diese Ver-knüpfung ohne Identität gedacht wird, sollen synthetische Urtheileheißen. Die elfteren könnte man auch Erläuterungs-, dieanderenErweiterungsurtheile heißen, weil jene durch das Prädicat