Beide müssen übrigens nicht offen den SabbataiSmus gelehrt haben; denn siewurden in vielen deutschen Gemeinden gut ausgenommen. In Altona, erzähltEmden (das.), habe Jchuda Chaßid die Zuhörer durch seine Predigt zu Thronengerührt und sich mit der Thorarolle im Arme zu den Frauen begeben, um da-durch einen noch tieferen Eindruck zu machen; das Letztere habe Chacham Zewiihm als ungewöhnlich verboten. Emden erzählt aber nur kurz, daß die Chassidäerihre Reise nach Palästina angetreten haben, ohne die Zwischenfälle zu erwähnen;er kannte sie wahrscheinlich nicht. Nur im Eingänge zn a'-wv.i erzählt
er von Hörensagen: Chajjim M. sei in Berlin und Wien gewesen, habegeradezu S. Zewi als Messias proklamirt und habe sich Kabbalisten gegenüberherausfordernd anheischig gemacht, ihnen dessen Messianität aus dem Soharzu beweisen. Das kann wohl nicht auf der Hinreise nach Palästina geschehensein; denn in dieser Zeit verrieth keiner der Chaßidäer etwas von ihrer An-hänglichkeit an den Pseudomessias. Schudt berichtet mehr darüber (jüdischeMerkwürdigkeiten II. * S. 58 f), wodurch auch der chronologische Punktsixirt werden kann. Ein Citat von Spener lautet: „Frühjahr 1699 seien auf1500 Juden in Ungarn gestanden, um ins gelobte Land zu gehen, die Er-lösung zu erwarten." Aus der Franks, histor. Relation rsferirt er: ururo 1700sind 31 polnisch-jüdische Familien, mehr als 120 Personen, aus Polen gegangenund haben ein Gelübde gethan, alle Tage nicht eher zu essen, als bis dieSterne am Himmel stehen. Nachdem sie in Nikols bürg angekommen, habensie 4 Juden mit etlichen Knechten abgeschickt, ihr Vorhaben den Juden im Reichebekannt zu machen. Monat März seien einige nach Frankfurt gekommen, habenöfter zur Buße ermahnt und vie baldige Erlösung versichert. Wegen ihrerstrengen Askese wurden sie Chasidim genannt. Diese vier Vornehmsten unterihnen waren: Rabbi Juda Chasid (ein Mann von 40 Jahren), N. Isaak,
R. Nathanasl (ein Wahrsager) und R. Saul. Der Erstere trug am Sabbatweißen Atlas, die übrigen 3 weiße Sargekleider, wunderlich geformt. DerErstere habe eine gewaltige, durchdringende Stimme in seinen Predigten ent-wickelt; er hat noch am 3. April dess. Jahres in Franks, gepredigt. Als diesevier mit Reisegeld versehen waren, reisten sie über Hanau und Fürth nachNikolsburg. Der reiche Samuel Oppenheim habe für sie 2 Schiffe undPässe zur Donaufahrt nach dem schwarzen Meere verschafft. S. 62 sg. giebtSchudt die Zahl der polnischen Chassidim auf 1300 an, wovon 500 unterwegsgestorben, oder wie Schudt sich lieblos ausdrückt: crepirt seien. Einer derselben,der später Christ geworden, erzählte diesem Erzjudcnfeinde: Juda Chaßidsei mit den Meisten durch Tyrol und Venedig nach Jerusalem gegangen; einkleiner Theil aber, darunter Chajjim Malach, über Constantinopel. Ausdem bisherigen ergiebt sich, daß der Letztere Anfangs in dieser Gesellschaft nureine untergeordnete Rolle spielte, die Hauptrolle hatte I. Chaßid. Dieserstammte aus Szedlovice bei Grodno und hatte in seiner Gesellschaft mehrereTalmudisten, von denen genannt werden: Nathan Nata, Rabbiner vonHagenau (Verf. des kabbalistischen Werkes ;>-o nwm»), Joseph aus Wilna,Kalonymos. (vergl. Vorwort zu diesem Werke, ferner: Schwarz, Geograph,von Palästina piu p. 47 und auch Brüll, Jahrbuch für jüd. Geschichte I,
S. 228, fg.)
I. Chaßid's Schwärmereien sind rasch genug dementirt worden. Er starb,wie Emden und Schudt berichten, drei Tage nach seiner Ankunft in Jerusalem,und wie sein Jünger Gedalja Semiaticz in der Einleitung zu dessenWerk: a'biri-p ibnv' angiebt: 6. Marcheschwan u"oo — 19. Oktober 1700.