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Geschichte der Juden.
II. Spinoza-
Das Loben Spinoza's, des früher geächteten, seit Jakobi und Lessing be-wunderten Vaters des modernen Pantheismus und Naturalismus, ist von vielenSeiten so sehr Gegenstand hingebender Untersuchung geworden, daß sich wenigNeues dazu nachtragen läßt. Zu den früher bekannten Nachrichten durch Bayle,Colerus, Lucas und Boullainvilliers (in den Ausgaben der spino-zistischcn Schriften von Paulus und Gfrörcr) fügte van Vloten vor einigenJahren einige Notizen hinzu, die er in einem handschriftlichen Nachlaß gefundenhat: ^.ä Lsusäioti äsLpiuoss, oxsrs,, guas supsrsuub oruräs. supplsrusutuiu1862. Aus diesen Notizen läßt sich indessen manches berichtigen, wasin frühere biographische Darstellungen irrthümlich ausgenommen wurde. Fürden Zweck der jüdischen Geschichte ist der von van Vloten zum ersten Malemitgetheilts Wortlaut des Bannes über Spinoza von einiger Wichtigkeit.
1) Colerus (S. I) nennt Spinoza's Geburtsort Amsterdam: II rmHuib ä^.rusbsräuiu 1s 24. Uov. 1632. Indessen scheint es, daß er noch 1644 inSpanien einem ^.ubo äs,-1?s beigewohnt.hat. In der geharnischten Antwortan seinen ehemaligen Freund, den katholisch gewordenen Albert Burgh,welcher unter den Beweisen für die Wahrheit des Katholicismus auch die großeZahl der Märtyrer ansührte, weist Spinoza auf die noch größere Zahl jüdischerMärtyrer hin, die noch täglich wächst und die mit besonderer Standhaftigkeitden Tod erleidet, und fügt hinzu: Usczus kos vosuäaoio. Ipss suiin iutsralias Husnäuru äuäuru, Husra liäuva uppsllunb, irovi, opri in insciiisZarninis, guuru sam rnortuus orsäsrsbur, li^muuva, gui iusipib: „lidiOsus unirns.ru rusuru olksro", osnsrs inospib, sb in rusäio oanbn ex-spiruvib". (Spinoza Briefsammlung No. 74, Ende.) Er hat also unterAnderen auch einen Märtyrer Juda gekannt, der mit einer gottvertrauendenHymne auf deu Lippen den Geist ausgehaucht. Das bezieht sich auf ein bestimmtesFactum, von dem auch das Datum bekannt geworden ist. Am 25. Juli 1614wurde Don Lope de Vera y Alarcon von christlichen Eltern in Valladolidaus dem Scheiterhaufen verbrannt, weil er unerschrocken sich zur jüdischenReligion bekannte und sich Juda, den Gläubigen nannte. Erste Quelledafür Manasse ben Israel, Dspsrun^s. äs Isrusl (p. 98): lAurbiro äs Donldops äs Vsra. ^ ^.ls-roon . . . prsnäsräs sn Vullsäoliä anno 1644 . . .sirounoiässss äsutro s. si raisruo . . . Ilsrusss äslruäs. ors^snbs.Das Andenken an diesen und an andere Märtyrer wurde in der 1675 neu-erbautcn Synagoge von Amsterdam aufbewahrt (äs Lurrios, dovisrno populäräuäs^oo, p. 44). Legt man Gewicht auf das Wörtchen ipss . . novi. .<iusnäs.ru äuäuru liäuru in Spinoza's Darstellung — und das muß manwohl bei diesem mathematisch-exacten Schriftsteller — so würde sich darausergeben, daß er dem Auto-da-Fö von 1644'in Valladolid selbst beigewohnt,gesehen und gehört hat'), wie dieser Märtyrer, Juda, der Gläubige oderLope de Vera y Alarcon in den Flammen jenen Vers mm -iw aus-gerufen hat. Cr wäre demnach in diesem Jahre, im Alter von 14 Jahren,noch in Spanien gewesen. Colerus kann also nicht als klassischer Zeuge fürSpinoza's Geburtsland angesehen werden.
2) Daß Colerus nicht von allen Lebensumständen Spinoza's gut unter-richtet war, ergiebt sich aus seiner Angabe von Spinoza's Roman. Dieser
') sDas bezeugt Sp. allerdings nicht ausdrücklich. Er behauptet nur, daßer den Märtyrer persönlich gekannt habe, wobei allerdings die Annahme ge-stattet ist, daß er ihn in Spanien gekannt habe.j