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Geschichte der Juden.
Heil, nicht der Messias, der die Juden allein wiedersammeln undnach Jerusalem zurückführen solle; das sei ein Wahnglanbe. Jerusalemund der Tempel würden nimmermehr erbaut werden. Zwar lege derTalmud den geoffeubarten Glauben anders aus, aber dieser sei ebengrundverderblich und habe seine Anhänger, die Talmudisten, in Jrrthumund Unglauben geführt. Der Talmud enthalte überhaupt die abscheu-lichsten Dinge, daß Juden Christen betrügen und todtschlagen dürften,ja müßten. Die richtige und wahre Auslegung der heiligen Schriftbiete einzig und allein der Sohar, der eben dem Talmud entgegen- ,gesetzt sei. Alle diese Verkehrtheiten belegte die frankistische Bekenntniß-schrift mit Stellen aus der Bibel und dem Sohar, und zur An-schwärzung des Talmud verdrehten sie geflissentlich Aussprüche desselben.
Sie wurde in Polnischer und hebräischer Sprache gedruckt und ver-breitet. Die Scenen sollten sich in Polen wiederholen, welche im Anfangdes fünfzehnten Jahrhundert in Spanien von dem Papste durchden Täufling Josua Lorqui oder Gerouimo da Santa-F6 stattfanden I
(VHI.g 114 fg.), wo ein abgefallener Jude ebenfalls gegen seine I
Stammesgenosseu und den Talmud Gift spie. Aber dort trat ein >
Laie als Ankläger auf; hier waren es Rabbinen mit Bärten und >
Kaftan, mit rabbinisch-kabbalistischen Floskeln und mit der ganz wider- s
lichen Erscheinung eines verwahrlosten Wesens, welche aus Rache- s
gefühl die Maske des katholischen Glaubens annahmen, um ihre Feindedesto nachdrücklicher verfolgen zu können. Schmerzlich empfanden dieVertreter der polnischen Gemeinden, die Vier-Länder-Synode, in derverzweifelten Lage den Mangel an Bildung in ihrer Mitte. Siekonnten nicht einen einzigen Mann stellen, welcher im Stande gewesen >wäre, in gewandter oder nur anhörbarer Sprache die Spiegelfechtereiender Frankisten und die Hohlheit ihres Bekenntnisses aufzudecken. Die !
stolzen Häupter der Synode benahmen sich daher in ihrer Angst wiedie Kinder. Sie waren rathlos, heckten phantastische Pläne aus,wollten an den Papst appelliren, die Portugiesen in Amsterdam unddie römische Gemeinde in Aufregung setzen, sie vor den Ränken ihrerrachsüchtigen Feinde zu schützen.
Der Bischof Dembowski, welcher damals auch das ErzbisthumLemberg verwaltete und auf den Vorschlag der Frankisten einging,erließ einen Befehl, daß die Talmudisten Deputirte zu einer Dis-putation nach Kamieniec entsenden möchten, widrigenfalls er sie inStrafe nehmen und den Talmud, als ein christenfeindliches Buch,verbrennen lassen würde (20. Juni 1757). Vergebens beriefen sichdie Juden Polens auf ihre alten Privilegien oder steckten sich hinterEdelleute und spendeten Summen; cs half ihnen nichts. Sie mußten