Bekenntniß der Frankisten.
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verfolgt würden. Um ihren Bruch mit dem Judenthume recht augen-fällig zu machen, oder um sich an ihren Gegnern recht blutig zurächen, bedienten sie sich erlogener Anschuldigungen als Mittel. Siebehaupteten, daß die Anhänger des Talmud Blut von Christen ge-brauchten, und daß der Talmud den Mord an Christen als religiöseVorschrift einpräge. Wie leicht war es, diese Anschuldigung zubeweisen! Ein christliches Kind brauchte nur vermißt zu werden.Etwas dergleichen muß damals in Jampol (in Podolien) vorgekommensein, und sofort wurden die angesehnsten Juden dieses podolischenStädtchens in Fesseln geschlagen. Der Bischof Dembowski und seinKapitel, glücklich einen solchen Fang zu machen, begünstigten die Fran-kisten in Folge ihrer Aussage auf jede Weise, befreiten sie aus denKerkern, schützten sie vor Verfolgungen, ließen sie in der DiöceseKamieniec sich ansiedeln, gestatteten ihnen nach ihrer Weise zu lebenund nährten mit Wohlgefallen deren Haß gegen die talmndischenJuden. Der Bischof schmeichelte sich durch die Frankisten, unter denenmehrere Rabbinen waren, viele polnische Juden zum Katholicismushinüberziehen zu können. Die neue Sekte trat in das Stadium, anseiner verfolgten eine Verfolgerin zu werden.
Um ihre Gegner zur Verzweiflung zu treiben, stellten dieFrankisten (1757) das Gesuch an den Bischof Dembowski, eine Dis-putation zwischen ihnen und den Talmudisten zu veranstalten, undmachten sich anheischig, ihre Glaubenslehre von der Dreieinigkeit ausSchrift und Sohar einerseits und die Verwerflichkeit des Talmudandrerseits zu beweisen. Darauf ging der Bischof sehr gern ein. Zudiesem Zwecke arbeitete einer der fränkischen Rabbinen — vielleicht deralte Elisa Schor aus Rohatyn — (Frank selbst hatte damals Polenverlassen und war nach Nikopolis und Giurgewo zurückgekehrt) einGlaubensbekenntniß aus, das an Frechheit und Verlogenheit wenigseines gleichen hat und geschickt darauf angelegt war, zugleich durchdie Entwickelung der sabbatianisch-kabbalistischen Lehre den Bischof indie Täuschung zu wiegen, daß diese dem christkatholischen Glaubenverwandt sei und ihre Gegner in die Enge zu treiben. Dieses frankistischeGlaubensbekenntniß enthielt neun Punkte. Der Glaube, den Gottoffenbart hat, enthalte so viele tiefe Geheimnisse, daß er erforscht undergründet werden müsse, ja, ohne höhere Eingebung gar nicht erkanntwerden könne. Eines dieser Geheimnisse sei: daß die Gottheit ausdrei einander gleichen Personen bestehe, die zugleich eine Dreiheitund Einheit bilden. Ein anderes Mysterium sei, daß die GottheitMenschengestalt annehme, um sich Allen sichtbar zu zeigen. DieseGottmenschen vermitteln für die Menschheit die Erlösung und das
Graetz, Geschichte der Juden. X. 25