384
Geschichte der Juden.
verdammungswerthen Ketzer gebrandmarkt. Jetzt sprach er selbst diesenketzerischen Gedanken freimüthig, freilich mit vielen Vorbehalten und'unter tausend Entschuldigungen' aus. Es war eine Neuerung undbildete einen Bruch mit dem Jahrhunderte lang gehegten Wahne.
Ans die Anfrage, ob es gestattet sei, die Frankisten zu verfolgen,antwortete Jakob Emden mit einem entschiedenen Ja. Er hielt sie,wie sie ihm von Polen aus geschildert wurden, für freche Uebertreterder heiligsten Gesetze, der Zucht und Keuschheit, welche vermittelstmystischer Spiegelfechterei aus dem Laster eine Tugend machten fl.Indessen bedurfte es des Stachels von seiner Seite nicht: Wo es inPolen zu verfolgen galt, fehlte es nicht an Lust dazu. Die Frankistenwurden bei den Behörden und Geistlichen als eine neue Sekte an-gegeben und der katholischen Inquisition überliefert. Der BischofNikolaus Dembowski von Kamieniec Podolski, in dessen Sprengelsie auf ihren Abwegen ertappt worden waren, hatte nicht übel Lust,Scheiterhaufen für sie zu errichten. Frank's Schlauheit wußte aberdas gegen die Seinigen abgedrückte Geschoß von ihnen abzuwendenund auf die Gegner zurückzuschleudern. Von Chocim aus, wohin ernach kurzer Haft sich in Sicherheit gebracht hatte, rieth er ihnen zuihrer Vertheidigung zwei Punkte zu betonen: daß sie an eine Drei-einigkeit glaubten, und daß sie den Talmud als eine Schrift vollerJrrthümer und Lästerung, verwerfen. Da die Frankisten aber an-fangs Bedenken getragen haben mögen, stracks mit ihrer Vergangenheitzu brechen, so kam er heimlich in einem polnischen Städtchen miteinigen Anhängern zusammen, wiederholte seine Rathschläge und fügtehinzu: es müßten sich zwanzig oder dreißig von ihnen schnell taufenlassen, um ihrer Behauptung von ihrem Bekenntniß der Dreieinigkeitund der Verwerflichkeit des Talmud mehr Nachdruck zu geben. Frankwar es eine Kleinigkeit die Religion zu wechseln. Die talmndisch-gesinnten Juden der Umgegend hatten aber Wind von Frank's geheimerZusammenkunft mit den Seinigen e'rhalten, rotteten sich zusammen,überfielen sie und führten sie unter Mißhandlungen ins Gefängniß.Dieses Verfahren reizte die Contratalmudisten zur Rache an ihrenFeinden. Die Taufe mochten sie zwar nicht annehmen, aber sieerklärten vor dem Tribunal des Bischofs Dembowski, daß sie beinaheChristen wären, daß sie an eine göttliche Dreieinigkeit glaubten, daßdie übrigen Juden, welche diese verwerfen, nicht den rechten Glaubenhätten, und daß sie selbst wegen ihres besseren Glaubens von ihnen
fl S. Zakob Emden, Anhang zu dessen Edition d. 121 uv, zum Schlupunter dem Titel: n ,1:212 >'im2> 11 71122.