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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Karl Anton. 371

Emden selbst nach Altona unangefochten zurückkehrte nnd Aussichthatte, daß der ihm zugefügte Schaden ersetzt werden würde.

Die schlimme Lage, in der sich Eibeschütz befand, sich von derBehörde und in der öffentlichen Meinung als Ketzer entlarvt zu sehen,bewog ihn zu einem Schritte, den ein Rabbiner alten Schlages mitehrlicher Frömmigkeit auch in Todesgefahr nie gethan haben würde.Er verband sich mit einem abtrünnigen getauften Juden, seinem ehe-maligen Jünger, um sich von ihm eine Unterstützung seiner Sache zuverschaffen. Mose Gerson Kohen*) aus Mitau, welcher vonmütterlicher Seite von Chajim Vital Calabrese abstammen wollte,hatte sieben Jahre in Prag unter Eibeschütz Talmud getrieben, dannReisen nach dem Orient gemacht, und, nach Europa zurückgekehrt, inWolfenbüttel die Taufe als Karl Anton empfangen. Er wurde vonseinem Gönner, dem Herzoge von Braunschweig, zum Lcctor der hebrä-ischen Sprache in Helmstädt ernannt. Hinterher erwies es sich, daßKarl Anton nur aus schmutzigem Eigennutz zum Christenthum über-getreten war.

Zu ihm begab sich der Oberrabbiner der Drei-Gemeinden heim-lich, um von ihm eine Schutzschrift, noch mehr eine Lobrede aus-arbeiten zu lassen ^). Man sieht es ihr noch heute an, daß sie einebestellte Arbeit war, und es kam auch an den Tag, daß Eibeschütz sieKarl Anton in die Feder diktirt hat. Er wird darin außerordentlichgehoben, als der vernünftigste nnd aufrichtigste Jude seiner Zeit, alsKenner der Philosophie, der Geschichte und Mathematik, und als einverfolgtes Opferlamm. Jakob Emden dagegen wird als ein Wichtund Neidhard dargestellt. Die Hauptrechtfertigung für Eibeschütz indiesem Machwerk setzt weitläufig auseinander, daß in jener- Zeitkein Jude mehr au den falschen Messias Sabbatai glaube undam wenigsten der so gescheidte Jonathan. Die Deutung der Amuletebeweise nichts gegen ihn, weil man mit dieser Deutungsmethode alles

') lieber diesen s. Vorwort zu Karl Antonskurzer Entwurf der Er-klärung jüd. Gebräuche."

2 ) Der langathmige Titel dieser Schrift lautet: Kurze Nachricht von demfalschen Messias Sabb. Zebhi und den neulich seinetwegen in Hamburg undAltena entstandenen Bewegungen, zu besserer Beurtheilung derer bisher in denZeitungen und anderen Schriften davon bekandt gewordenen Erzählungen vonKarl Anton (Wolfenbüttel 1752) Widmung an den König 26. September 1752.Der Panegyricus für Eibeschütz beginnt S. 48, vergl. darüber Note 7. GegenKarl Anton's Schrift erschien in: Hamburger freie Urtheile 1752, No. 84,S. 662 eine Gegenschrift. Recensionen darüber das. 1753, No. 30, S. 713,ferner Hamburger Berichte von gelehrten Sachen 1752, No. 30. Schleswig-Holstein. Nachrichten 1752, No. 41, LeipzigerZeit." 1753, No. 14.

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