>7iW8««Mi
Die Parteiung.
367
natürlich nicht. Es hieß, es sei unter den Juden ein heftiger Streit ans-gebrochen, ob der Messias bereits erschienen sei oder nicht. Die Judenwurden verhöhnt, daß sie an den Betrüger Sabbatai Zewi lieber alsan Jesus glauben wollten. Das wirkte auf die Judenheit zurück, dieParteien schoben einander die Schuld dieses Skandals, dieser „Ent-weihung des Gottesnamens" zu. Ein thatkräftiger Mann, BaruchJawan aus Polen, verpflanzte die Zerklüftung auch nach diesemLande. Er war ein Jünger Falls, Faktor bei dem berüchtigten säch-sischen Minister Brühl und genoß eines gewissen Ansehens in Polen.Durch seine Machination entsetzte ein polnischer Magnat ChajimLublin seines Amtes als Rabbiner und ließ ihn und seinen Vaterins Gefängniß werfen (Elul — September 1751 *). In Polen nahmendie Streitigkeiten überhaupt einen noch häßlicheren Charakter an, dortspielten Bestechungen, Denunciatiouen, Gewaltthätigkeiten, Verratheine große Rolle. Ueberlänfer verriethen die Geheimnisse der einenPartei an die andere. Jede Messe, jede Synodalversammlung warein Kampfplatz gegen einander wüthender Eibeschützer und Falkianer(der Rabbiner von Frankfurt, in Polen sehr bekannt, galt dort alsFahne). Noch toller als auf den Polnischen Reichstagen ging es aufden Synoden zu. Je nach dem die eine oder die andere Partei zahl-reicher oder von energischeren Parteigängern vertreten war, wurde dieschwächere in den Bann gethan. Die Eibeschützer waren meistensrühriger. Graf Brühl machte ihnen ebenso gut leere Versprechungenseines Schutzes wie ihren Gegnern durch Baruch Jawan ^).
In Deutschland ging es natürlich gemessener zu. Das rabbi-nische Triumvirat erließ eine Entscheidung: daß derjenige, welcher diesabbatäischen Amulete geschrieben hat, gebannt und abgesondert vonIsraels Gemeinschaft sei. Jeder fromme Jude müsse ihn aufs kräf-tigste verfolgen. Niemand dürfe von ihm Talmud lernen. AuchAlle, die einem Solchen zur. Seite stehen, seien in den Bann ein-geschlossen. Eibeschützens Name wurde nicht dabei genannt. Diesermilden Entscheidung traten viele Rabbinen Deutschlands bei, undebenso diejenigen venetianischen Rabbiner, die Luzzatto gebannt hatten^).Sie wurde Eibeschütz und dem Vorstand der Drei - Gemeinden ein-gehändigt (Febr. 1752^) mit dem Bemerken, daß jener sich innerhalb
l) .-!NN p>. 62 b; rmu NLV- p>. 60 g,; INI- x. 60 b.
") Vergl. p>. 59 a.
Bergl. Ezech. Landau's Supplik an die Kaiserin M. Theresia, Monats-schrift 1817, x. 20 fg.
Diese Entscheidung, pi genannt, ist abgedruckt in inru nsL' p>. 30.Die Unterschrift des Venetianer-Rabbinats datirt vom Ot. Tischri — 28. Sep-