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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Eibeschütz.

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Familie Eskeles in Wien, Sohn nnd Enkel polnischer Rabbinen,hatte ebenfalls wegen seines großen Vermögens, von dem er letztwilligeinen großen Theil für Ausbildung von Rabbinen hinterließ, Einflußauf einige dem Hofe nahe stehende Personen. Beide hatten abermalsGelegenheit, einen vernichtenden Schlag von ihren Stammgenossen ab-zuwenden.

Jonathan Eibeschütz, zum Rabbiner von Metz erwählt, hatte sichunbesonnen an die in Prag eingezogenen Franzosen angeschmiegt, ent-weder aus Eitelkeit, oder um sich das lothringisch-französische Rabbinatzu sichern. Er erhielt von dem französischen Commandanten einenGeleitsbrief, ungefährdet nach Frankreich zu reisen, erregte aber beider böhmischen Bevölkerung den Verdacht verrätherischen Einver-ständnisses mit dem Feinde. Er war allein abgereist (Frühjahr 1742)und hatte seine Familie zurückgelassen. Nach Abzug der Franzosen(Ende 1742) wurde von der österreichischen Behörde eine Unter-suchung gegen Eibeschützens Verhalten eingeleitet und sein Vermögen,so weit es nicht von den Panduren geplündert war, mit Beschlagbelegt. In den Verdacht der Berrätherei gegen den Staat wurdenspäter sämmtliche böhmische und mährische Juden hineingezogen. Dieerzkatholische Kaiserin, welche zugleich gemüthlich und hartherzigwar, erließ plötzlich ein Dekret (18. December 1744 für Böhmen,2. Januar 1745 für Mähren), daß sämmtliche Juden dieser beidenKronländer binnen kurzem „aus mehrerlei triftigen Ursachen" aus-gewiesen, und wer nach dieser Frist betroffen würde, mit „militä-rischer Hand ausgeschafft" werden sollte. Mit diesem Dekret wurdeauch grausiger Ernst gemacht. Die Prager Juden, mehr als 20630 Seelen,mußten in kurzer Zeit im rauhen Winter die Stadt verlassen nnd sichin den Dörfern Herumplagen; die königlichen Städte hatten aber dieWeisung, keinen von ihnen auch nur vorübergehend aufzunehmen. DieLage der böhmischen und mährischen Juden war traurig. Wohinsollten sie sich wenden? Im achtzehnten Jahrhundert wurden die Judennicht mehr wie früher ihrer Kapitalien wegen gesucht und ausgenommen.Und solche hatten sie auch nicht; ihre Habseligkeiten waren durchden Krieg größtentheils vernichtet. Als fühlte Eibeschütz, daß er einigeSchuld an ihrem Unglücke hatte, gab er sich Mühe, ihnen einige Er-leichterung zu verschaffen. Er Predigte für sie in Metz, richteteSchreiben an die wenigen kleinen Gemeinden in Südfrankreich,Bayonne und Bordeaux, ihnen Unterstützung zukommen zu lassen,und an die römische Gemeinde, sich für ihre unglücklichen Brüder beimPapste zu verwenden'). Das Alles war aber nicht von großer Be-

') Handschriftliche Urkunden Frankel, Monatsschrift 1867, S.'426. '

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