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Eibeschütz. 351
Schlages; er schlich nicht finster, büßermäßig und gekrümmt einherund legte auch seinen Jüngern nicht einen solchen Zwang ans; siedurften sich freier bewegen. Geselligkeit, lebhaftes, zündendes Zwie-gespräch war ihm ein Bedürfnis;. Daher mehrte sich mit jedem Jahredie Zahl von Eibeschützens Zuhörern und belief sich auf Tausende,.dieab- und zugingen. Er galt infolgedessen als Dreißigjähriger nicht bloß inPrag, sondern weit und breit als eine so unbestrittene Autorität, daßer über David Oppenheim gestellt wurde oder sich stellte. Eine bittereGehässigkeit bestand daher zwischen dem fast greisen Landrabbinen vonBöhmen und dem jungen Privatrabbinen; dieser soll jenem viel Krän-kung zngefügt haben. Es ist bereits erzählt, daß sprechende Beweisedem Rabbinate von Frankfurt a. M. von Eibcschützens Verbindung mitLöbele Proßnitz und den Podolischen Sabbatianern Vorlagen. Nurseine verbreitete Autorität und seine große Jüngerzahl schützten ihndavor, daß der Bannspruch gegen Jene nicht auch gegen ihn gekehrtwurde (o. S. 329). Er hatte die Kühnheit, dem Verdachte dadurchzu begegnen, daß er selbst den Bann über die Sabbatianer verhängte(1725). Mose Chages, der Mann ohne Rücksicht, der Zionswächterjener Zeit, prophezeite damals, daß die Schonung gegen ihn zum Un-heil ausschlagen werde. In der That war Eibeschütz damals tief indie sabbatianische Irrlehre verstrickt, gestand es auch seinem Jugend-lehrer Mc'tr Eisenstadt, der viel davon wußte, scheinbar beschämtund reuig ein und versprach Besserung. Durch diese Schonung be-hauptete sich Eibeschütz in seinem Ansehen und erhöhte es noch durchseine Gelehrsamkeit, seine immer mehr zunehmende Jüngerschaar undseine Thätigkeit. Der Verdacht gegen seine Ketzerei wurde allmäligvergessen, und die Gemeinde von Prag stellte ihn, um sein Verdienstzu belohnen, als Prediger an (1728).
Auch nach einer andern Seite verließ Eibeschütz die ansgetreteneBahn und stellte sich in ein zweideutiges Licht. Er knüpfte einenstetigen Verkehr mit den Jesuiten in Prag an, sei cs ans Eitelkeitoder Berechnung. Er disputirte mit ihnen und kehrte ihnen gegen-über einen gewissen Freisinn heraus, als ob er die Befangenheit derJuden nicht theilte. Namentlich ging er mit dem jesuitischen BischofHasselbauer in Prag um, jenem Geisteshenker, der öfter Haus-suchungen bei den Juden veranlagte, um auf uncensirte hebräischeBücher zu fahnden und sie zu confisciren. Durch diese Bekanntschaftsetzte es Eibeschütz durch, daß ihm vom Bischof das Privilegium er-theilt wurde, den von der katholischen Kirche so oft geächteten Talmuddrucken zu dürfen. Ob er es aus Eigennutz gethan haben soll, umden böhmischen Juden den Zwang aufzulegen, nur die von ihm ge-