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Geschichte der Juden.
in keinerlei Verbindung stehe, sondern eine zweite Person in der Gott-heit, der Gott Israels genannt, das Abbild derselben, die Welterschaffen, das Gesetz gegeben, Israel erwählt, kurz sich mit dem End-lichen befaßt habe?) Er scheint aber auch de» Consequenzen dieserketzerischen Theorien gehuldigt zu haben, daß Sabbatai Zewi derwahre Messias gewesen sei, die zweite Person der Gottheit in sichverkörpert habe, und daß durch dessen Erscheinen die Bedeutung derThora aufgehört habe.
Eibeschütz hatte aber keinen so festen Charakter und keine so ent-schiedene Gesinnung, um sein inneres Denken mit seinem Thun inEinklang zu setzen. Mit dem rabbinischen Judeuthum offen zu brechen,sich als ein Contratalmudist, wie mehrere polnische Sabbatianeres gethan haben, mit der Gesammtjudenheit zu Überwerfen, das lagnicht in seinem Wesen. Er war zu praktisch klug und zu bequem, umsich den Unannehmlichkeiten eines solchen Bruches ausznsetzen. Sollteer gleich Chajon wie ein Gehetzter von Asien nach Europa hin undzurück abenteuern? Auch liebte er den Talmud und die rabbinischeLiteratur als Nahrung für seinen Witz, er konnte sie nicht missen.Der Widerspruch in seinem Leben und die Wirren, die Eibcschützveranlaßt hat, sind auf diesen Mißklang zwischen seinem Kopfe undseinem Temperamente zurückzuführen. Das rabbinische Juden-thum war ihm nicht recht bequem; aber die Quellen, aus denen esfloß, waren ihm unentbehrlich; er hätte sie geschaffen, wären sie nichtvorhanden gewesen. In diesen Widerspruch eingeengt, täuschte er nichtbloß die Welt, sondern mehr noch sich selbst; es kam nicht zur Klar-heit in seinem Innern. Er war ein Heuchler, ohne es zu wollen.
Im einundzwanzigsten Lebensjahre (1711) stand Eibeschütz be-reits in Prag einem Lehrhause vor, und eine Schaar von Scharfsinnliebenden Talmudjüngern sammelte sich um ihn, hing an seinen Lippen,bewunderte seine anregende, gewissermaßen mit de» Schwierigkeitenspielende Lehrweise. David Oppenheim, Oberrabbiner von Böhmen,hatte wegen seiner ausgebreiteten Geldgeschäfte und anderweitigerThätigkeit keine Muße, sich mit der Ausbildung von Jüngern zu be-schäftigen. So wurde Eibeschütz allmälig, wenn auch nicht officiell,der erste und angesehenste Rabbiner Prags. Seine Zuhörer fesselteund begeisterte er durch sein freundliches, man möchte sagen, studen-tisches Wesen, durch seinen sprudelnden Witz, seine treffenden Aus-fälle, die sich nicht immer in den Schranken des Schicklichen hielten.Er war für sie ganz anders geartet, als die Rabbiner gewöhnlichen
>) S. Note 7.