346
Geschichte der Juden.
vermitteln half, (David Franco Mendes), ist von ihm angeregtworden. — Was hätte Luzzatto leisten können, wenn er sich von derPhantasterei der Kabbala hätte loswinden können! Aber sie hieltseinen Geist in engen Banden gefangen und zog ihn, nicht lange nachVollendung seines Dramas (um 1744), nach Palästina. Hier gedachteer ungehindert den Eingebungen seiner aufgeregten Phantasie lauschenoder seine messianische Rolle spielen zu können. Auch von dort aus(von Safet) unterhielt er die Verbindung mit seinem Jüngerkreise.Aber ehe er sich Bahn brechen konnte, raffte ihn die Pest im vier-zigsten Lebensjahre dahin (26. Jjar —6. Mai 1747). Seine Leichewurde in Tiberias beigesetzt. Die beiden größten neuhebräischen DichterJehuda Halevi und Luzzatto sollten in hebräischer Erde ruhen. Selbstdie verläumderischen Zungen der palästinensischen Juden, denen Luzzattomit seiner Eigenthümlichkeit als ein Räthsel erscheinen mußte, habenihm nur Gutes nachgerühmt. Aber er hat doch eine böse Saat aus-gestreut. Seine italienischen Jünger haben der Kabbala in Italienvon neuem eine Stätte gegründet. Sein polnischer Jünger Jekutielaus Wilna, der durch seine Marktschreierei ihm die Händel zugezogeuhatte, soll abenteuernd in Polen und Holland unter dem Deckmantelder Mystik schamlose Streiche ausgeführt haben Z. Auch ein andererPole, Elia Olianow, der zu Luzzatto's Kreis gehörte, ihn alsMessias und sich als seinen Elias verkündet hat, genoß nicht desbesten Rufes 2). Dieser war auch bei den häßlichen Wirren betheiligt,welche drei Jahre nach Luzzatto's Tod in Altona ausbrachen und dieeuropäische Judenheit in zwei Lager spalteten, eine neue Kreiselungder sabbatianischen Schlammfluth.
Der Pfuhl, welcher sich in der Judenheit seit Jahrhunderten, seitder Aechtung der Forschung und dem Siege ihrer Feindin, der Kab-bala, angesammelt hatte, wurde immer mehr mit einer Art Stumpf-heit aufgewühlt und besudelte Reine und Unreine. Jener Taumelgeistdes eitellügnerischen Messias von Smyrna war mit der AechtungChajons und der polnischen Sabbatianer noch immer nicht gebannt,richtete sich vielmehr in noch häßlicherer Gestalt auf und drang auchin Kreise ein, die bis dahin ihm unzugänglich schienen. Das Rab-binerthum, auf die Praktische und dialektische Auslegung des Talmudangewiesen, hatte bisher der Kabbala keinen ebenbürtigen Zutritt ein-geräumt, nur hier und da wie verstohlen etwas von ihr angenommen.Der sabbatianischen Ketzerei hatten sich die Rabbinen zuletzt entgegen-
^ Jakob Emden, Dorat, da-Lsrmot, x. 57 b, 58.
") Das. x. 58 b, 63 a.