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Geschichte der Juden.
glaubten, oder stellten sich so, als wenn Luzzatto sich gerühmt hätte,seine Psalmen würden in der eintretenden messianischen Zeit denDavidischen Psalter verdrängen. So saumselig sie früher waren, sorührig zeigten sie sich jetzt zur Verfolgung des Unglücklichen. Siesandten drei Inquisitoren nach Padua, ihn zu vernehmen, gewisser-maßen Haussuchung bei ihm nach seinen Schriften zu halten und ihmden Eid abzunehmen, daß er nichts veröffentlichen werde, was er nichtvorher dem Venetianer Rabbinat zur Censur vorgelegt haben würde.Stolz wies der tiefgekränkte Dichter diese Zumuthnng mit der Be-merkung zurück: daß diesem Rabbinate keine Machtbefugniß gegen ihn.ein Mitglied der Paduauer Gemeinde, zustünde. Darauf sprachen diesechs Venetianer Rabbiner den Bann über ihn aus und verurtheiltenseine Schriften zum Feuer (Mitte Novbr. 1734). Sie sorgten auchdafür, namentlich that es Isaak Pacifico, sämmtlichen GemeindenDeutschlands und besonders der großen Trommel Chages Kunde da-von zu geben. Auch die Paduaner Gemeinde ließ den unglücklichenLuzzatto fallen. Um so mehr machte es seinem Lehrer Jesaia BassanEhre, daß er ihm im Unglück eben so kräftig zur Seite stand, wie früherim Glücke. Der Rabbiner Katzenellenbogen, oder vielmehr sein EinbläserChages, hatte bei dieser Gelegenheit einen vernünftigen Vorschlag, dieBeschäftigung mit der Kabbala der Jugend ganz und gar zu ver-bieten, damit sie nicht, wie bisher, in solche traurige Verirrungen ge-rathe. Doch fand dieser Vorschlag bei andern Rabbinen keinen Bei-fall *). Zwei Jahrzehnte später wurden die Verirrungen der Kabbalaso handgreiflich, daß die jüdisch - polnische Synode, ohne Widerspruchzu finden, einen solchen Beschluß durchsetzte.
Der unglückliche, gebannte Phantast mußte zum Wanderstabgreifen, Eltern, Frau und Kinder verlassen. Mehr noch als diesesschmerzte ihn die Trennung von seinem kabbalistischen Genossen undseinem mystischen Conventikel. Auf seiner Reise ermahnte er jenenoch einmal brieflich, das Studium der Kabbala nicht aufzugeben.Er hatte Sorge um die Existenz; denn er war so herabgekommen,daß er ein Unterkommen als Korrespondent in Amsterdam zu suchengedachte. Und doch beschäftigt ihn die Mystik noch immer; er trugsich mit der Hoffnung, in Amsterdam seine kabbalistischen Schriftendrucken zu können. Der Unerfahrene! Wer sollte ihm jetzt beistehen,nachdem ihm das Glück den- Rücken gekehrt hatte? Schon in Frank-furt a. M. wurde er aus seinem süßen Traum gerissen. Sobald der
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