340 Geschichte der Juden.
Gott habe ihn, so wie viele vor ihm, auserkoren, ihm seine Geheim-nisse zu verkünden. Aber nicht bloß das Paduaner und VenetianerRabbinat, sondern auch andere italienische Rabbinen benahmen sichaus Rücksichten sehr lau in dieser Sache. Mose Chages hatte dreiRabbinen aufgefordert, sich als Tribunal zu constituiren: JosephErgas aus Livorno, welcher Chajon bekämpft hatte, Simson Mor-purgo von Ancona uno Abraham Segre von Casale. Sie solltensich nach Padua begeben, Luzzatto vorladen und ihm die Wahl stellen,entweder seinem mystischen Unwesen zu entsagen oder nach Palästinaauszuwandern, wo allein göttliche Offenbarungen möglich, glaublichund gesetzlich gestattet wären. Aber alle drei lehnten jede Einmischungab. Chages entwickelte aber eine so eifrige Thätigkeit, daß ermehrere deutsche Rabbinen dafür gewann (Juni 1730), wenigstens denBann in der Fassung auszusprechen: es sollen ihm alle diejenigenunterliegen, welche Schriften in der Soharsprache im Namen vonEngeln oder Heiligen verfassen würden. Diese Drohung wirkte.Jesaia Bassan mußte sich nach Padua begeben und seinem Lieblings-jünger das Versprechen abnehmen, seine mystische Schriftstellerei undLehrmeisterei für junge Kabbalisten einzustellen, es sei denn, daß ersich entschlösse, nach dem heiligen Laude auszuwandern. Auch dasVenetianer Rabbinat wurde endlich zum Einschreiten angeregt. Esschickte drei Vertreter nach Padua, Jakob Belillos, Mose MenahemMerari und Nehemia Vital Kohen, und in ihrer Gegenwartmußte Luzzatto seine bündige Erklärung wiederholen und bekräftigen(3. Ab — 17. Juli 1730). Seine kabbalistischen Hefte mußte er seinemLehrer Bassan ausliefern, und sie wurden unter Siegel gelegt. Damitwar für den Augenblick der gegen ihn aufgewirbelte Sturm beschworen.
Luzzatto schien durch diese Vorgänge ernüchtert zu sein. Er gingseinen Geschäften nach, dichtete wieder und entschloß sich sogar zuheirathen (die Tochter des Rabbiners David Finzi aus Mantua).Er wurde glücklicher Vater, lebte in Eintracht mit Eltern und Ge-schwistern und genoß hohe Achtung. Aber der böse Geist, dem er sichverschrieben hatte, ließ ihn nicht los und führte ihn abermals zu seinerJugendverirrung zurück. Ein Zerwürfniß in der Familie und schlechteGeschäfte im Hause seines Vaters, an dem er Theil nahm, scheinendie Veranlassung dazu gewesen zu sein. Verstimmt und gedrückt inder Gegenwart wollte er durch kabbalistische Mittel die Zukunft er-fahren^). Er begann wieder seine mystischen Träumereien niederzu-
st Folgt aus dem Schreiben des Venetianer Nabbinats in Emden's llLrabda, - Lsrmot, (x 51 u): ripiim m . . . . rrn; m'rr im